Der hat ja ’nen Knick im Kessel!

Die Modellbahn Union aus Kamen ist sicherlich inzwischen auch für viele H0-Bahner ein Begriff geworden. Spätestens seit der INTERMODELLBAU 2017 in Dortmund, wo der Händler mit zwei Ständen vertreten war. Nach Übernahme eines Modelleisenbahnladens in der Dortmunder Innenstadt mit einem nun schier überwältigendem Angebot aller bekannten Hersteller, mischt man nun auch im Bereich Hersteller von Fahrzeugen mit. So gibt es nun erstmals für die H0-Bahner einen auffälligen Tankwagen unter dem Namen Modellbahn Union. Es handelt sich um einen so genannten Knickkesselwagen.

Für den Laien sieht so ein Wagen zunächst einmal etwas ungewöhnlich aus. Man könnte sich fragen wer zum Teufel denn dieses schöne Modell mit einem unbedachten Tritt auf den Kessel malträtiert hat. Dem ist aber nicht so. Der Wagen ist so vorbildgerecht. Aber warum? Dazu schreibt der Anbieter:

Die Knickkesselwagen des Typs Zafns dienen dem Transport von Kreideschlamm. Um das Entladen des Schlamms zu ermöglichen, ist der Wagen in der Mitte zum Auslassventil hin geneigt. Die Wagen sind seit Mitte der 1980er Jahre im Einsatz und werden von verschiedenen Güterwagen-Einstellern und Bahngesellschaften betrieben. Sie sind vor allem in Deutschland, Frankreich und Großbritannien beheimatet und registriert. Die Wagen sind sowohl fährboottauglich als auch für den Kanaltunnel zugelassen.

Zu Tankwagen allgemein ist noch zu sagen, dass sie in aller Regel von großen Tankwagenvermietern wie z.B. der VTG bereit gehalten werden. Es handelt sich somit um Privatwagen, die nicht im Eigentum der Bahngesellschaften sind und auch nicht von ihnen unterhalten werden. Man erkennt es am P in der Betriebsnummer.

Das mir vorliegende Modell wurde von der Modellbahn Union in Deutschland und Großbritannien gestaltet und konstruiert. So sagt es die Bedruckung auf der OVP. Die Fertigung des Modells erfolgt in China. Die Drehgestellbauart entspricht den bekannten europäischen wie man sie auch bei anderen Herstellern vorfindet. Ab Werk sind die Radsätze für den Betrieb auf DC Gleisen ausgelegt. AC Tauschradsätze sollen noch folgen und müssen auch für den Betrieb auf M Gleis sein. C und K sind für das Modell kein Problem solange man keine S88 Rückmelder verwendet. Dafür braucht man eben auch AC Radsätze. Kurzkupplungskulissen an beiden Enden sind heute Standard. Ab Werk sind Bügelkupplungen eingesteckt. Leider hat die Deichsel für meine Begriffe etwas zu viel Längsspiel, was dazu führt, dass der Pufferabstand zu groß wird. Sicherlich kein großer Aufwand dies bei späteren Serien zu verbessern, dient aber auch dazu das engere Radien befahren werden können.

Ein ziemlich großer Kupplungshaken über der Modellkupplung ist ebenso vorhanden wie detaillierter Wagenunterboden. Man findet Leitern, Handgriffe und Handräder als extra montierte Teile. Die Bühne auf dem Kessel hat für meine Begriffe ein etwas zu grobes Raster. Hier hätte ein Ätzteil sicher noch besser gewirkt. Unter den Puffern und am Wagenboden findet man Haltegriffe und Querstreben aus Metall. Ein Beutel mit Schläuchen und anderen Steckteilen liegt bei, allerdings ohne den Hinweis auf den Montageort am Wagen. Die Beschriftung ist konturenscharf und unter der Lupe gut lesbar. Beheimatet ist der silberne Wagen in Paris La Chapelle, also bei der SNCF. Einsteller für den Wagen ist das Unternehmen NACCO. Diese fünf Buchstaben stehen für North American Coal Corporation. Mehr zur Geschichte dieses Unternehmens findet man im WWW.

Modellbahn Union bietet dieses Fahrzeug für einen Preis von etwa 45 Euro für die silberne und von 49 Euro für die gealterte Version an. Natürlich ist die gealterte Version mit anderer Betriebsnummer bedruckt. Die Alterung wirkt sehr authentisch. Wenn man sich also einen Ganzzug zusammenstellt, wäre es sicher sinnvoll auf eine gewisse Anzahl gealterter Wagen einen im frischen Silber einzufügen. Der kommt dann frisch aus der Waggonfabrik oder von einer Revision.

Über den Autor

Martin Meese

Martin Meese ist Jahrgang 1956 und ist seit frühester Jugend von Modellbahn und ihrem großen Vorbild begeistert. Heute ist er vor allem mit Märklin verbunden. Gern berät er in allen Digitalfragen und hilft bei Umbauten. Er gehört einem Stammtisch von 30 bis 35 Enthusiasten an, die sich regelmäßig über die Märklin-Bahnen austauschen. Für uns bloggt er seine persönliche Sicht auf neue Produkte und aktuelle Trends im Bereich der Modelleisenbahn.