Die Metamorphose der Märklin BR 118

Das Vorbild der neuen Märklin BR 118 Lok ( (MHI 37685) war in dieser Lackierung im Süden der Republik im Einsatz. Ihre Hochzeit lag schon hinter ihr. Diese in den 30er Jahren konstruierte Hochleistungs-E-Lok der ehemaligen DRG, die 1937 in Paris auf der Weltausstellung für ihr ausgezeichnetes Design und ihre Leistungsfähigkeit einen 1. Preis bekam, wurde von Loks der Baureihe 112 und 103 aus dem hochwertigen Schnellzugdienst verdrängt und letztlich 1984 ausgemustert. Ursprünglich vorgesehen war sie für den hochwertigen Reisezugverkehr zwischen München und Berlin. Dass es dazu nicht mehr kam, lag an den bekannten düsteren politischen Ereignissen.


Nördlichster Endpunkt für den Einsatz ab München war vor 1945 Saalfeld. Einige Loks waren aber auch in Schlesien zu beheimatet. Ebenso besaßen die ÖBB diese Bauart als 1018. Zuletzt wurde die 118 im Eil- und Personenzugdienst von Nürnberg, Würzburg, Regensburg, Freilassing und München aus eingesetzt. Silberlinge und Umbauwagen passen gut. Auch Behelfsgepäckwagen, wie sie Märklin nun anbietet, zog sie sicherlich öfter. Ob Altbau-E-Loks im oceanblau/beigen Farbkleid gut aussehen, überlassen wir besser dem Betrachter. Farbe ist bekanntlich Geschmacksache. Es gab neben der BR118 auch nur wenige BR194 und BR144 in diesem Outfit.


Märklin baute Modelle der Baureihe E18/118 in H0 praktisch schon seit Ende der 30er Jahre. Zunächst verkürzt mit nur drei und für Startsets und den kleinen Geldbeutel sogar nur mit zwei Achsen; seit ca. 20 Jahren aber dann doch im exakten Massstab 1:87. In den Jahren hat sich die Lok stets antriebstechnisch verändert. So erschien die erste 1:87 Lok noch mit dem altbekannten Dreipol Motor und einfachem Decoder- eben Standard in den 90ziger Jahren. Gefolgt einige Jahre später vom sogenannten HLA, 5polig mit lastgeregeltem Motor. Es sollte noch besser werden, als der große C Sinus Motor erschien. Man kann ihn auch als den Höhepunkt der Motorenentwicklung bei Märklin im H0 Sektor bezeichnen, kombinierte er doch wunderbare Fahreigenschaften mit einem wartungsfreien Motor. Der folgende Kompaktsinus sowie der SDS waren schlechter.


Das nun vorliegende zweite Märklin Modell in der Epoche IV ob/b Lackierung (ja, eine solche Farbvariante gab es einst im Doppelpack mit einer in Technologieausführung lackierten 118) besitzt einen Allerweltsmotor aus Fernost gepaart mit einer Schwungmasse, die diesmal tatsächlich auch ihren Namen verdient. Die neue Märklin BR 118 in den Farben der Epoche IV fährt in der Tat sehr ausgewogen und hält in Stoppstrecken so, wie man es von den klassischen Märklin Modellen der 60ziger und 70ziger Jahre kennt. Also liebe Analogfahrer, diese Lok ist auch auf klassischen Anlagen sehr gut zu fahren. Natürlich hat sie einen mfx+ Decoder für den Digitalbetrieb. Die Lok ist wie üblich sauber und vollständig beschriftet. Neu sind heute neben den rot lackierten Stromabnehmern auch die neue LED Beleuchtung mit rot /weißem Lichtwechsel.

Nicht so schön ist, dass die Verkabelung mit Isolierband auf dem Rahmen bzw. Motor befestigt wird. Das hält nämlich nicht. Das konnte man schon besser bei Vorgängermodellen.


Das Modell besitzt nachgebildete Führerstände mit einer Lokführerfigur. Der Antrieb erfolgt auf 2 der 4 Mittelachsen; zusammen mit den 4 Haftreifen ist das Modell so in der Lage alle vorbildtypischen Züge auf der heimischen Anlage zu ziehen. Eine Kurzkupplungskinematik ist nicht vorhanden. Sound gibt es natürlich auch, leider wie so oft aus dem Soundbaukasten und wenig überzeugend. Das soll aber niemanden vom Kauf der ansonsten gelungenen Lok abhalten. Gut, man kann ihn ausgeschaltet lassen. Wie so oft heutzutage ist das Modell eine einmalige Auflage und hat eine unverbindliche Preisempfehlung von 329 Euro.

Über den Autor

Martin Meese

Martin Meese ist Jahrgang 1956 und ist seit frühester Jugend von Modellbahn und ihrem großen Vorbild begeistert. Heute ist er vor allem mit Märklin verbunden. Gern berät er in allen Digitalfragen und hilft bei Umbauten. Er gehört einem Stammtisch von 30 bis 35 Enthusiasten an, die sich regelmäßig über die Märklin-Bahnen austauschen. Für uns bloggt er seine persönliche Sicht auf neue Produkte und aktuelle Trends im Bereich der Modelleisenbahn.