Fliegende Züge

Vor fast 80 Jahren traten sie in den Dienst, die „fliegenden Züge“. Im Grunde waren sie die Vorläufer des ICE. Von Märklin gibt es die einstigen Schnellzüge als Modell.

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Die ehemalige Reichsbahn bot mit diesen Schnelltriebwagen einen neuen Reisekomfort mit verringerten Fahrzeiten zwischen den deutschen Großstädten an. Die Devise damals: Am Morgen nach Berlin und am Abend wieder daheim – egal ob Hamburg, Köln, München oder Breslau. Richtungswechsel in den Kopfbahnhöfen waren schnell erledigt, weil keine Loks umgespannt werden mussten.

Diese je nach Bauart zwei- bis vierteiligen Züge verbanden die Städte im Reich mit Fahrzeiten, wie sie heute kaum erreicht werden. Die Züge nach Köln fuhren in Doppeltraktion und wurden, wie heute auch die ICEs, in Hamm/Westf. geteilt, ein Zugteil fuhr durch das Ruhrgebiet, der andere Teil über die Wupperschiene. Kurz vor Ausbruch des 2. Weltkrieges wurde der Service eingestellt. In der Nachkriegszeit wurden die Triebwagen dann wieder aufgearbeitet und kamen im hochwertigen F- Zug Dienst zum Einsatz bis die modernen VT08 als Ablösung kamen. Als man sie nicht mehr brauchte, wurden diese nunmehr als VT 04 bezeichneten und zwischenzeitlich rot lackierten Züge in den Osten abgegeben. Die DR Ost setzte sie weiter ein. Es folgten dann nach dem VT11.5 für lange Zeit Wagenzüge bis dann der ICE als Triebwagenzug den Hochgeschwindigkeitsverkehr wieder zweiklassig aufnahm.

Schon damals zu Beginn der Modellbahngeschichte im Massstab H0 gab es von Märklin bald Modelle in allen Spurweiten. Sie waren auf das Wesentliche reduziert, gaben aber die Schnittigkeit der Vorbilder gut wieder. Viele dieser Vorkriegsmodelle dürften nicht mehr im Umlauf sein. Waren sie erstens sehr teuer und entsprechend selten in Kinderzimmern zu finden kommt auch hinzu, dass schlechtes Material zu nicht allzu langer Lebenszeit führte. Wer so etwas sucht, möge nach TW oder TWE Ausschau halten.

Doch nun zum aktuellen neuen Modell, welches das im Leipziger Hauptbahnhof abgestellte historische Fahrzeug widerspiegelt:

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Foto: SVT 137 225 a-b via photopin (license)

Konstruktiv basiert es auf dem vor etwas mehr als 10 Jahren vorgestellten Modell 37770. Damals noch ohne Soundfunktionen und mit gelblicher Beleuchtung aber dafür mit einem hervorragenden Antrieb. Heute ein Modell in überarbeiteter Form mit Dreilicht Spitzensignal, weißer Beleuchtung, mfx+ Dekoder.

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Ebenso neu die angesetzten Griffe neben den Türen und die ganz andere Dachgestaltung. Wer die Spielewelt mag, bekommt also einen VT 137 Führerstand mit den entsprechenden Bedienelementen. Die Führerstände des neuen Modells sind separat beleuchtbar. Das Neonlicht der Fahrgasträume startet auch wie ein Neonlicht- eben mit deutlichem Flackern. Das sieht schon gut aus; ebenso gut und sauber ist die Bedruckung. Passgenau wie immer die Fenster. Der Motor ist für meinen Geschmack deutlich zu laut und wohl aus dem Baukasten der Soundabteilung, sicher keine Orginalaufnahme. Für mich hört es sich eher wie V200 an, was sicherlich mit dem ursprünglichen Vorbild nicht viel gemein hat. Möglich, dass der mit hydraulischem Antrieb umgebaute Zug so klang. Weitere Soundfunktionen wie Schaffnerpfiff und Türenrollen sind natürlich vorhanden, in der Summe 16. Eines davon sollte aber auch dringend verbessert werden: Schienenstoß. Ein solches Geräusch findet man seit geraumer Zeit bei vielen Modellen. Unverständlich warum es nur lauter oder leiser wird, sich aber nicht in seiner Frequenz sich nach der gefahrenen Geschwindigkeit richtet.

Fährt man nun den Zug, so setzt er sich weitestgehend ruckfrei in Bewegung. Ab Werk ist die Geschwindigkeitskurve nicht linear eingestellt. Dass ein nicht mehr so hochwertiger Motor wie im Ursprungsmodell 37770 arbeitet, merkt man leider sofort. Deutlich rauher als gewohnt dreht er im mittleren Jakobsdrehgestell. Schade Märklin, zumal das Modell beileibe nicht preiswert ist! Dass nur zwei statt vier Haftreifen auf den beiden mittleren angetriebenen Achsen aufgezogen sind, kann man dagegen verschmerzen.

Mein Fazit: Ein optisch sehr schönes Modell der Epoche VI, bei dem vermutlich die Kaufleute den Antrieb kastriert haben. Aber bekanntlich fährt der Zug ja nicht, sondern steht im Leipziger Hauptbahnhof.

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Foto: SVT 137 225 a-b via photopin (license)

Über den Autor

Martin Meese

Martin Meese ist Jahrgang 1956 und ist seit frühester Jugend von Modellbahn und ihrem großen Vorbild begeistert. Heute ist er vor allem mit Märklin verbunden. Gern berät er in allen Digitalfragen und hilft bei Umbauten. Er gehört einem Stammtisch von 30 bis 35 Enthusiasten an, die sich regelmäßig über die Märklin-Bahnen austauschen. Für uns bloggt er seine persönliche Sicht auf neue Produkte und aktuelle Trends im Bereich der Modelleisenbahn.