Im Besten Alter: ÖBB 1044 von Roco

Heute möchte ich einmal nicht über die neueste Kreation der einschlägigen Modellbahnschmieden berichten. Nein, heute geht es um eine Lok, die bereits mehr als 20 Jahre im Einsatz stand – auf der Modellbahn bzw. auch in der Vitrine. Es geht um das Modell einer Roco Baureihe 1044 der ÖBB.

Zum Vorbild: Die Lok wurde von SGP in Österreich nach dem Baumuster der schwedischen RC Lokomotiven erstellt. Die schwedische Firma ASEA aus Vesteras hatte einst 10 Loks für die ÖBB gebaut und man war wohl durchaus zufrieden mit der neuen Technik, so dass es zum Bau einer eigenen Lokreihe bei unserem südlichen Nachbarn kam. Die Verwandtschaft ist aber durchaus erkennbar. Es handelt sich um eine Lok mit einer Vmax von 160km/h für Schnell- und Güterzüge. Vier Motoren geben der Lok ca. 5000kW Leistung. Die Lokserie hat alle Farbspielereien der ÖBB mitgemacht. Mein neues altes Modell entstammt der Bauserie 1044.200.


Das Roco Modell ist technisch für AC Betrieb, sowohl analog als auch digital hergestellt worden. Ein massiver Druckgussrahmen mit übergesetztem Lokaufbau aus Kunststoff steht für die typische Bauart der Salzburger Lokkonstrukteure. Ein Decoder, lastgeregelt, sorgt für seidenweichen Fahrbetrieb, ist aber altersbedingt nur für insgesamt 80 Motorola Adressen ausgelegt. Die feindetaillierte Lok besitzt entgegen ihrer für DC Betrieb ausgelegten Variante einen Antrieb nur auf 2 Achsen eines Drehgestells. Alle vier Räder des angetriebenen Drehgestells sind mit Haftreifen ausgerüstet. Somit hat die Lok genügend Haftreibung um die Kraft des fünfpoligen Motors entsprechend auf das Gleis zu übertragen. Eine wirkungsvolle Schwungmasse besitzt er auch.

Die Beleuchtung besteht aus zwei Glühbirnen, die den rot/weiß Lichtwechsel je nach Fahrtrichtung bewerkstelligen. Obwohl es sich bereits um ein sehr betagtes Modell handelt, ist der Dachgarten mit seinen beiden Einholmstromabnehmern auch heute durchaus noch akzeptabel. Die Pufferbohlen können mit den beiliegenden Teilen vorbildgerecht ausgerüstet werden. Normschächte, noch ohne Kulissenführung, fassen alle gängigen Kupplungen. Die Drehgestelle sind ebenfalls sauber graviert. Einen Flüsterschleifer findet man am nicht angetrieben DG.

Nun zur wichtigsten Frage: Sollte man ein Modell kaufen, dass schon mehr als zwei Jahrzehnte alt ist? Dazu ganz klar ein JA. Diese Lok hat die Zeit gut überstanden. Sie setzt sich ruhig in Bewegung und überzeugt durch ihre sehr guten Fahreigenschaften. Am Gehäuse gibt es keine Schäden. Nichts ist abgebrochen oder fehlt. Die Farbe ist noch frisch wie am ersten Tag. So kann man also festhalten, dass die einst für knapp 300.-DM erworbene Lok auch heute noch dem Zweitbesitzer Freude bereitet. Wenn also Optik und Technik überzeugen, dann kann man eine moderne Ellok (stimmt gar nicht! Sie ist bald 40 Jahre alt!) für Digitalbetrieb zu einem Preis von unter 100.-€ erwerben. Der nicht mehr ganz aktuelle Decoder könnte leicht durch ein modernes Äquivalent ersetzt werden. Die achtpolige Schnittstelle macht dies möglich.
Angebote wie diese findet man bei den bekannten Modellbahnhändlern mit Gebrauchtabteilung aber auch auf Börsen und Messen wie der Intermodellbau und beim privaten Verkäufer, der sich aus welchen Gründen auch immer von so einer schönen Lok trennen will.

Dass ich ein Faible für Loks aus Göppingen habe, dürfte bekannt sein, aber hier sieht man auch, dass andere Mütter durchaus schöne Töchter haben. Die 1044 von Roco zählt sicherlich dazu.

Über den Autor

Martin Meese

Martin Meese ist Jahrgang 1956 und ist seit frühester Jugend von Modellbahn und ihrem großen Vorbild begeistert. Heute ist er vor allem mit Märklin verbunden. Gern berät er in allen Digitalfragen und hilft bei Umbauten. Er gehört einem Stammtisch von 30 bis 35 Enthusiasten an, die sich regelmäßig über die Märklin-Bahnen austauschen. Für uns bloggt er seine persönliche Sicht auf neue Produkte und aktuelle Trends im Bereich der Modelleisenbahn.