Kirmes-Gefühl im Kleinen

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Die INTERMODELLBAU zeigt vom 13. bis 17. April alle Facetten des Modellbaus. Ein Bereich, der regelmäßig Besucher jeden Alters fasziniert, ist der Kirmesmodellbau. Ein kompletter Rummelplatz im Miniformat mit sich drehenden Karussells, Riesenrädern, Free-Fall-Towern und so weiter. Komplett beleuchtet mit der typischen Jahrmarktmusik. Ein Oktoberfest im Kleinen, die es auf magische und unerklärliche Weise schafft, genau die gleiche Atmosphäre zu verbreiten wie eine echte, große Kirmes.

Sieben Kirmesmodellbaugruppen beziehungsweise Einzelkämpfer zeigen auf der Messe, wie sie sich den perfekten Rummel vorstellen. Einer von ihnen ist Martin Jakubith aus Ansbach. Zum Kirmesmodellbau ist er bereits in seiner Kindheit gekommen. „Und das eigentlich über Umwege. Mich hat die Kirmes schon von jeher begeistert. Also habe ich anfangs mit meinen Autos eine Kirmes simuliert. Völlig unrealistisch, aber kindliche Fantasie kann ja Berge versetzen“, schmunzelt er. Weil sein Vater ein großer Modelleisenbahnfan war und ist, beschäftigte auch Martin Jakubith damit. „Als dann 1985 die Firma Faller die ersten Kirmesmodelle ins Sortiment aufnahm, habe ich zugeschlagen“, erinnert er sich. Neben der Eisenbahnplatte entstand eine Kirmesplatte, die schnell zu klein wurde und einem größeren Exemplar weichen musste. Nach der Ausbildung folgte die Sturm- und Drang-Zeit und der Kirmesmodellbau blieb eine Zeit lang liegen.

Bis zu dem Tag, als der Modelleisenbahn-Club des Vaters eine Ausstellung plante und auch Sohnemanns Kirmesplatte einplante. „Da habe ich das Modul erst einmal aus der elterlichen Wohnung zu mir geholt und sie aufbereitet, neue Modelle eingefügt. Und es kam, was kommen musste: Der Modellbau-Virus war wieder übergesprungen. „Das war 1997, seitdem bin ich wieder kontinuierlich dran am Thema“, erzählt Jakubith. Sein Eifer ging sogar soweit, dass er alle Modelle von damals noch einmal baute. „Die ersten genügten einfach nicht mehr meinem Anspruch“, sagt er.

Nach wie vor baut der Ansbacher ausschließlich Fallermodelle, die er aber, des Anspruchs wegen, stark modifiziert. Dabei werden Antriebe so umgebaut, dass ein stabiler Dauerbetrieb möglich ist, tausende SMD-LED werden angebracht, die für eine stimmungsvolle Illumination sorgen und sämtliche Teile lackiert, was das Erscheinungsbild der Modelle enorm verbessert. Außerdem ist Martin Jakubith immer bemüht Details im Modell zu realisieren, die das Modell einzigartig machen und deutlich vom original Bausatz abheben. Rechtzeitig zur INTERMODELLBAU hat Jakubith sein aktuelles Projekt abgeschlossen und wird dem Publikum einen Neubau der Wildwasserbahn-Pirateninsel präsentieren.

„Bei diesem Modell habe ich mich selbst übertroffen“, schwärmt Jakubith und erzählt weiter: „Man achtet beim Bauen ja nicht auf die Zeit, aber ich kann ohne Übertreibung sagen, dass in der Pirateninsel über 400 Arbeitsstunden stecken. Auf das Ergebnis bin ich sehr stolz und freue mich auf die begeisterten Blicke der Modellbaukollegen und des Publikums.“

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Insgesamt ist sein Kirmesmodul zweieinhalb Quadratmeter groß. Zwölf Fahrgeschäfte befinden sich darauf, zusätzlich diverse Buden und das komplette Hintergrundgeschehen. „Das ist mir sehr wichtig, denn ein Rummel besteht nicht nur aus den Fahrgeschäften, sondern eben auch aus Zugmaschinen, Wohnwagen und das Leben hinter den Kulissen“, erzählt der Modellbauer. Um gerade diese Details genau hinzubekommen, fährt er auch oft auf Rummelplätze, spricht mit dem Schaustellern und bittet sie, auch mal Fotos von der Rückseite der Karussells machen zu dürfen. Die Detailverliebtheit scheint sich zu lohnen. Kürzlich zeigte er einem Schausteller Fotos seines Mini-Rummels. „Der hat mich dann gefragt, auf welchem Platz ich das aufgenommen habe. Er war total fasziniert und konnte gar nicht glauben, dass das ein Modell ist und bei mir im Keller steht“, lacht Jakubith.

Man müsse schon „ein wenig verrückt sein“, aber das sind Modellbauer anderer Kategorien ja auch. Was uns verbindet, ist die Leidenschaft für das, was wir tun“, sagt er. Das Bauen sei die große Herausforderung – und auch der Fluch. Denn so richtig genießen könne wohl kaum einer der Kirmesmodellbauer sein Werk. „Ich möchte meine Anlage mal mit den Augen der Besucher sehen. Man kann das teilweise gar nicht mehr fassen, wie die Leute, vor allem die Kinder, davorstehen. Das ist unglaublich schön und man selbst spürt diese Atmosphäre gar nicht mehr so deutlich“, bedauert er.

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An Atmosphäre wird es während der Messe nicht mangeln: Der Stand der IG Kirmes & Kirmesmodellbau, die übrigens auch ein Kind von
Martin Jakubith ist, wird etwas abgedunkelt sein und mit Musik und einer Kirmes-Geräuschkulisse beschallt, Karussells drehen sich und zehntausende SDM-LED´s flackern und blinken und schaffen eine perfekte Kirmes-Atmosphäre. Auch an den Ständen der anderen Kirmesmodellbauer erlebt das Publikum die Faszination Kirmes en miniature in Perfektion.

Und wenn sich alles dreht, sich die Lichter der Anlagen im Glänzen der Besucher-Augen spiegeln, wird auch Martin Jakubith es spüren, das Kirmes-Gefühl im Kleinen.

Über den Autor

Daniel Große (Blog INTERMODELLBAU)

Daniel Große ist Journalist und Blogger. Im Auftrag der Messe Westfalenhallen Dortmund betreut er dieses Blog, schreibt Aussteller-News, führt Interviews und sammelt auf der Messe Live-Eindrücke in Text, Foto und Video.

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