Klassiker für Tinplate-Freunde

Wir schreiben das Jahr 1962. Die Wirtschaftswunderzeit. Die DB investiert in den hochwertigen Fernverkehr und stellt den neuen Rheingold vor. Allein es fehlt zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme die vorgesehene neue Bügelfalten-E10. So nimmt man kurzerhand, was zur Verfügung steht, die Kasten E10, und passt sie farblich an die neuen Wagen an. Ebenso erhöht man durch eine geänderte Getriebeübersetzung die Höchstgeschwindigkeit. So kommt dann der Luxuszug in Fahrt. Nur bei den Modellbahnern wird es noch nichts mit dem Rheingold. Für die DC Fraktion kommt Fleischmann bald mit der E10, allerdings ohne entsprechende Wagen. Die konnte man sich bei Hornby ACHO bzw. deren französischem Ableger Meccano besorgen, im zum Fleischmann passenden 1:82 Massstab. Es gab vier verschiedene Wagen.

1965 erscheint die Kasten-E10 im Märklin Sortiment, deutlich schöner als die Nürnberger Konkurrenz. Sie kommt im klassischen blau der Bundesbahn und wird über Jahrzehnte im Programm bleiben, ebenso erscheint die E40-Variante im grünen Kleid. Alle Farbspielereien des Vorbilds machen beide mit, im Modell durchlaufen sie auch alle technischen Varianten, die die letzten Jahrzehnte brachten. Von klassisch analog mit Lichtwechsel über die Feldspule bis zum lastgeregelten Digitalmodell kann man die Lok heute noch auf dem Gebrauchtmarkt finden. Vor ein paar Jahren kam dann eine Neukonstruktion aus Göppingen. Nun genau massstäblich 1:87 und wieder in den bekannten Farben der Epochen III/ IV. Sogar das Kastenmodell E10 in Rheingold erschien ziemlich bald.

So sollte man meinen, dass nun der Markt für diese Lok doch gesättigt sei. Wer möchte nun noch das technisch ältere Modell in Neuauflage?

Nun, Märklin überraschte seine Tinplate-Anhänger im Februar dieses Jahres mit einer Neuauflage der 24cm Rheingoldwagen und der alten E10 in technischer Ausführung mit dem hauseigenen 5 Pol Trommelkolektormotor. Angesteuert wird er von einem mfx Decoder. So bekommen wir nach 50 Jahren doch noch das Modell der ersten Rheingold E10.1, wie man sie gern 1965 schon gesehen hätte, heute sogar mit detaillierter Pufferbohle und an den Drehgestellen angesetzten Trittstufen.

Zu den Fahreigenschaften dieses Klassikers mit dem schönen Stirnradgetriebe gibt es wenig Neues zu berichten. Sie fährt seidenweich an und bremst auch ebenso ab, sofern man sie per Hand steuert. Die Fahreigenschaften lassen sich mit Hilfe der CS2/3 an die Wünsche des Besitzers anpassen. Die Lok kommt ohne den heute obligatorischen rot/weiß Lichtwechsel, man kann ihr allerdings noch das Rangierlicht und den Rangiergang programmieren.

Die Lok ist sicherlich nicht für den Nietenzähler und Massstabsfetischten, sondern eher für den Anhänger der robusten, unverwüstlichen Modelle gedacht. Sauber bedruckt und lackiert als E10 1242 gefällt sie mit den klassischen Stromabnehmern der 60ziger Jahre. Der Puffertellerwarnanstrich fehlt allerdings. Das Vorbild hatte ihn, zumindest zeitweise. Natürlich ist auch echter Oberleitungsbetrieb möglich. Ebenso kann man die Lok im Falle eines Falles immer selbst mit Hausmitteln reparieren. Eben solide Technik, die der Märklinist so schätzt. Wer nun wie ich die alten Modelle dieser Lokbaureihe besitzt, kommt nicht umhin die Sammlung mit dieser Rheingoldvariante zu komplettieren. Er sollte sich aber sputen, denn diese 30390 ist ein bereits werkseitig ausverkaufter MHI Artikel in an der historisch angelehnten Verpackung der 3039 für UVP 199,99 Euro.

Zur Lok gibt es noch ein passendes fünfteiliges Tinplate Wagenset 40850, 24cm Rheingoldwagen mit einem (leider) fiktiven Speisewagen. Bekanntlich hatte der Zug den Buckelspeisewagen, den es aber nie in 24cm Ausführung gab, den WR im Set gab es in den Sechzigern nicht in den Rheingoldfarben. Sinnvoller wäre da ein Barwagen gewesen.

Über den Autor

Martin Meese

Martin Meese ist Jahrgang 1956 und ist seit frühester Jugend von Modellbahn und ihrem großen Vorbild begeistert. Heute ist er vor allem mit Märklin verbunden. Gern berät er in allen Digitalfragen und hilft bei Umbauten. Er gehört einem Stammtisch von 30 bis 35 Enthusiasten an, die sich regelmäßig über die Märklin-Bahnen austauschen. Für uns bloggt er seine persönliche Sicht auf neue Produkte und aktuelle Trends im Bereich der Modelleisenbahn.

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