Liliputs „raffinierter“ Tankzug

Kaum zu glauben aber wahr, eine schnuckelige zweiachsige Diesellok mit drei Tankwagen kann man heute für weniger als 80 Euro erwerben. Das Set von Liliput ist unter anderem bei Toynedo erhältlich. Es handelt sich dabei um eine Privatbahnlok der Epoche III und drei sehr auffälligen Tankwagen der bekannten Marken Shell (Heimatbf. Hamburg Süd), Aral (Heimatbf. Bochum HBF) und Esso (Heimatbf: Hamburg Unterelbe). Alle haben Revisionsdaten der späten 60ziger Jahre, also zum Ende der Epoche III.

Die Lokomotive besticht durch wunderschöne Fahreigenschaften. Ausgerüstet mit Schwungmasse macht sie auf der DC Anlage eine mehr als gute Figur. Einzig die beidseitig gelbliche Beleuchtung könnte das Auge des Betrachters etwas stören. Allerfeinste Bedruckung und Lackierung lassen keine Wünsche offen. Das Treibgestell mit seinem Stangenantrieb und der hinten unter dem Führerhaus sichtbaren Blindwelle sind ein Augenschmauß. Angesetzte Griffstangen und Leitungen geben auch keinen Anlass zur Kritik. Sandfallrohre und Bremsatrappen sind ebenfalls fein nachgebildet. Haftreifen besitzt das Modell nicht. Die Zugkraft scheint mir aber für den Einsatzzweck ausreichend. Freier Durchblick durch’s Führerhaus ist gegeben, vermutlich solange kein Decoder in der 8poligen Schnittstelle verbaut wurde. Die Bügelkupplungen sind in einem Normschacht und seitenbeweglich; für eine Kinematik gab es keinen Platz. Somit ist diese als V14.03 der Raffinerie Ingolstadt beschriftete Lok ein Muss für Freunde von Köf und Co. Und wo hat diese Lok ihren Ursprung? Liliputs ausführliche Beschreibung nennt da den italienischen Hersteller Badoni. Diese Firma war u.a. auf Dieselkleinlokomotiven spezialisiert. Sie baute ähnliche Traktoren wie der deutsche Hersteller Breuer. Das Modell VII 368 war speziell für Privatunternehmen gebaut worden und führte dort zur Abkehr von Dampfloks.

Die Kesselwagen besitzen ebenfalls Bügelkupplungen, allerdings mit KKK. Ob die Wagen tatsächlich jemals so herausgeputzt fuhren, entzieht sich meiner Kenntnis, ebenso, ob sie in dieser Zusammenstellung je die erdölverarbeitenden Betrieb verlassen haben. Sie sind fein detailliert und Farbtupfer im ansonsten eher braugrauen Alltag der Epoche III. Selbst die Bremshebel sind farblich abgesetzt. Ein Beipack mit diversen Zurüstteilen findet sich in der dunkelblauen Packung.

Der Pukofahrer wird sich daran stören, dass der Platz für einen Schleifer nicht vorgesehen wurde. Notfalls könnte man einen der Wagen damit ausrüsten und Kabel zur Lok legen.

Der Packung liegt eine ausführliche Bedienungsanleitung bei, ebenso ein vorbildliches Ersatzteildokument. Das Set bietet für deutlich unter 100 Euro ein sehr ausgewogenes Preis/Leistungsverhältnis.

Über den Autor

Martin Meese

Martin Meese ist Jahrgang 1956 und ist seit frühester Jugend von Modellbahn und ihrem großen Vorbild begeistert. Heute ist er vor allem mit Märklin verbunden. Gern berät er in allen Digitalfragen und hilft bei Umbauten. Er gehört einem Stammtisch von 30 bis 35 Enthusiasten an, die sich regelmäßig über die Märklin-Bahnen austauschen. Für uns bloggt er seine persönliche Sicht auf neue Produkte und aktuelle Trends im Bereich der Modelleisenbahn.

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