Lok aus dem Pott

Ausgeliefert wurde von Märklin in den letzten Wochen eine weitere Lok aus der Familie der Einheits-E-Loks. Die neue Baureihe 112 in den TEE-Farben der Epoche IV ist in Dortmund beheimatet. Angeschrieben steht: 112 269-6, BD Essen, BW Dortmund und untersucht am 5.08.71

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Das Original

Diese Baureihe entstand Anfang der 1960er Jahre als Weiterentwicklung der Kasten-E10 und war zunächst für den hochwertigen TEE bzw. Rheingold und Rheinpfeil vorgesehen. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 160 Stundenkilometern waren sie für die schnellsten Züge der DB in der späten Epoche III und IV vorgesehen, bis die neue 103 diese Zugleistungen nach und nach übernahm. Ihr Einsatzgebiet erstreckte sich über die gesamte damalige BRD, also von Hamburg im Norden bis Freilassing im Süden, auch Strecken der ÖBB wurden befahren. Soweit mir bekannt, kamen Loks der Baureihe E10 bis zum Brenner und auch auf die Tauernbahn und bis Wien Westbahnhof.

Das Modell

Märklin hat das neue Modell mit einem Spieleweltdecoder ausgerüstet. Angetrieben ist das Modell wie alle anderen Nachbildungen dieser Baureihe auf vier Achsen. Der Lichtwechsel mit warmweißen LED ist ebenso vorhanden wie etliche Geräusche einer E-Lok. Vieles hört sich nach Soundbaukasten an. Neu ist diesmal eine von einem Mann gesprochene Bahnhofsansage. Sie hört sich authentisch an, allerdings stellt sich die Frage, ob schon zu Beginn der 1970er der Gong vor der Ansage üblich gewesen ist. Wenn schon Bahnsteigansagen aus der Lok, dann auch bitte mehrere und wenn eben möglich echte Aufnahmen aus der Zeit. Das ist Meckern auf hohem Niveau aber dennoch angebracht. Es muss ja nicht aus jeder Lok das gleiche Gequake kommen.

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Wie immer ist die Lok vorbildlich sauber bedruckt, die Farbe sehr matt und etwas rau. Dachgarten und Fahrwerk sind für mein Empfinden gut nachgebildet. Ferngesteuerte Pantographen wären auch schön gewesen. Wer auf die Kupplungen verzichten will, kann die Schürzen mit Blenden und Schläuchen aufrüsten. Dann wirkt die Lok auch noch etwas eleganter.

Fahrtechnisch kann man zufrieden sein, denn die Lok steht nicht wie andere Modelle der letzten Zeit bei Signalstopp, sondern rollt etwas aus. Zwei Räder sind mit Haftreifen ausgerüstet, was durchaus ausreicht, um artgerechte Züge mit der Lok ohne Probleme zu fahren. Die Ganzmetallbauweise trägt auch zur guten Zugkraft bei.

Und was sollte die Lok ziehen? Da wären zunächst einmal die TEE-Züge in der gleichen Farbe, aber auch nationale D-Züge im klassischen blauen und grünen Outfit sind vorbildgerecht, ebenso der TUI-Touristikzug oder internationale Züge wie der Riveria Express hingen hinter dieser Baureihe.

Und sollte man sie erwerben? Uneingeschränkt ja, zumal wenn man aus der Stadt ihrer Heimatdienststelle kommt.

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Über den Autor

Martin Meese

Martin Meese ist Jahrgang 1956 und ist seit frühester Jugend von Modellbahn und ihrem großen Vorbild begeistert. Heute ist er vor allem mit Märklin verbunden. Gern berät er in allen Digitalfragen und hilft bei Umbauten. Er gehört einem Stammtisch von 30 bis 35 Enthusiasten an, die sich regelmäßig über die Märklin-Bahnen austauschen. Für uns bloggt er seine persönliche Sicht auf neue Produkte und aktuelle Trends im Bereich der Modelleisenbahn.