Nachwuchs an die Schiene

Wie bringt man Schülern die Faszination der Modelleisenbahn nahe? Vor dieser Aufgabe steht der Modellbahnverband in Deutschland e.V. (MoBa) regelmäßig. Helmut Liedtke, Jugendbeauftragter beim MoBa, hatte darum vor über einem Jahr eine Idee: Wie wäre es, wenn mehrere Schulen an einem Projekt arbeiten würden? „Also sprach ich Schulen an messenahen Standorten an, ob sie nicht mitmachen würden“, berichtet Helmut Liedtke. Schnell waren die 16. Mittelschule in Leipzig, das Maria-Ward-Gymnasium in Günzburg bei Augsburg, das Thomas-Mann-Gymnasium Stutensee bei Karlsruhe und das Heinrich-von-Kleist-Gymnasium Bochum in Nähe der Dortmunder Westfalenhallen gefunden.

„Jetzt brauchten wir allerdings noch Sponsoren, die uns das Material für die Anlage stellen“, erzählt Liedtke. Nach diversen Gesprächen erklärten sich Tillig TT Bahn, Auhagen, DigitalPlus by Lenz, die Digitalzentrale, NOCH, Viessmann, Preiser und axstone bereit, das Projekt zu finanzieren. Auf den Messen entstand dann im vergangenen Jahr die 12-teilige Ovalanlage. „Auf jeder Messe wurde ein Teil gebaut. Das Spannende war dann natürlich die Montage in Leipzig. Bis auf wenige Kleinigkeiten passte alles, die Schüler haben sehr gut gearbeitet“, lobt Helmut Liedtke. Die 5,5 Meter lange und 2,20 Meter breite Anlage mit dem Namen „Von Auhig nach Tillgen“ zeigt eine eingleisige Hauptbahn, von der im Bahnhof Auhig eine eingleisige Nebenbahn zum Endbahnhof Tillgen abzweigt. Weiterhin gibt es einen Tunnel, einen Schattenbahnhof, eine Blechträgerbrücke und vieles mehr.

Derzeit steht die Anlage bei Helmut Liedtke in Dülmen und wartet darauf, zur INTERMODELLBAU wieder unters Volk zu dürfen. „Hier bauen wir sie auf und präsentieren sie dem Publikum. Betreut wird die Anlage von Schülern des Heinrich-von-Kleist-Gymnasiums Bochum. Ihr findet die Anlage hinter dem Café Lokschuppen in Halle 4. Daneben gibt es diverse Workshops mit und für Jugendliche, die dort Bausätze von Auhagen und NOCH zusammenbauen können.

Nach dem Erfolg des ersten Projektes ist eine Fortsetzung nicht undenkbar, sagt Helmut Liedtke. „Ich habe was im Hinterkopf. Darüber spreche ich aber noch nicht, das hängt ja auch immer von Sponsorengeldern ab“, sagt er. Dass solch ein Projekt aber durchaus geeignet ist, dem Eisenbahnmodellbau wieder zu mehr Nachwuchs zu verhelfen, davon ist er überzeugt. „Wichtig ist, die Kinder bereits mit höchstens zehn Jahren abzuholen, danach sind sie schon zu sehr in Sportvereine und andere Verpflichtungen eingebunden. Für die Modelleisenbahn bleibt dann keine Zeit mehr“, meint er. Derzeit würden wieder vielversprechende Projekte laufen, etwa vom Verein Mehr Zeit für Kinder. „Hier will man in Grundschulen Modellbauwerkstätten einrichten. Derzeit läuft das Projekt in Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen an. Ich bin gespannt, ob das funktioniert, vor allem die Lehrer dafür zu gewinnen“, so Liedtke.

Über den Autor

Daniel Große (Blog INTERMODELLBAU)

Daniel Große ist Journalist und Blogger. Im Auftrag der Messe Westfalenhallen Dortmund betreut er dieses Blog, schreibt Aussteller-News, führt Interviews und sammelt auf der Messe Live-Eindrücke in Text, Foto und Video.

Kommentare (2)

  1. Wolf Schaefer 9. April 2012 @ 16:28

    Ein ebenso ehrenhaftes wie vergebliches Projekt, Herr Liedtke. Jugendliche haben heute mehrheitlich andere Präferenzen, eine solche Modellbahn-AG wird nur von den wenigsten mit Ernst betrieben, die meisten sehen es als notwendiges Schulübel an, das von den gebotenen AGs das scheinbar kleinste Übel ist.
    Kinder/Jugendliche sind längst nicht mehr die Modelleisenbahn-Zielgruppe. Nur die Hersteller, die das begreifen und danach handeln, werden überleben.

  2. Interessante Meinung, Herr Schaefer. Kennen Sie denn Hersteller, die das „Problem“ erkannt haben und bereits gegensteuern? Und wenn ja, wie? Viele Grüße, das Blog-Team der INTERMODELLBAU.

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