Der etwas andere LINT

Auf der INTERMODELLBAU war er zu sehen – und er zog die Blicke auf sich. Keine Frage, der Märklin 39730 ist etwas ganz Besonderes. Denn in ihm sind vier Displays anstelle der Türen verbaut, die dem Betrachter die Illusion geben, dass sich die Türen des LINT, Baureihe 648 tatsächlich öffnen und schließen. Sogar Menschen sieht man ein- und aussteigen. Eine Innovation, die viele Skeptiker und Kritiker hat. Auf unser Video bei Facebook gab es diverse Schelte, auch kursieren im Netz bereits weitere Videos, unter denen ebenfalls kritische Kommentare zu finden sind.



Unser Autor Martin Meese hat sich den LINT 648 mal etwas genauer angesehen.

Und sie bewegen sich doch. So könnte man sagen. Ja, steigen sie denn wirklich ein und aus, die 29 Preiserleins, die Märklin in seinem gerade ausgelieferten LINT der Baureihe 648 eingesetzt hat? Nein, natürlich nicht wirklich. Aber dieser mit an jeder der vier Einstiegstüren platzierten Minidisplays gaukelt uns vor, das nun noch mehr Bewegung auf die Modellbahn kommt.

Aber immer schön der Reihe nach. Dieses neue Modell aus Göppingens Lokschmiede zeigt , was heute technisch machbar ist. Der neue 648 kommt wie schon seine Vorgänger im stabilen grauen Digitalkarton unter der Artikelnummer 39730 nun in den Handel, Farbe verkehrsrot, ausgestattet mit einem mfx Decoder und Sound; insgesamt 15 Funktionen. Ganz so, wie es viele Modellbahner heute erwarten. Der Sound klingt wie das Original, allein der fehlende Abgasgeruch der Dieselmotoren trübt den Eindruck etwas. Mit Sound & Smell gibt es eben (noch) nicht. Auch unsere Dampfloks riechen ja eher nach Schaumbad als nach richtiger Kohle. Damit müssen wir leben.

Nein, der Gag an diesem Zug sind die sich öffnenden Türen aus denen tatsächlich Menschen ein- und auszusteigen scheinen. Märklin hat dies mit 4 Displays verwirklicht, die exakt in die Türöffnungen eingepasst wurden. Auf diesen Displays laufen auf Knopfdruck Filmsequenzen, die das Schliessen und Öffnen und eben das Ein- und Aussteigen der Passagiere simulieren. Jede der vier Türen ist einzeln ansteuerbar und der Zug kann nicht mit geöffneten Türen bewegt werden; also wie beim normalen Betrieb des Vorbildes eben auch.

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Die Fahreigenschaften des Zuges sind so wie beim normalen Märklin 648: seidenweich. Ganz so wie man es sich von einem modernen Fahrzeug erwartet. Sanft setzt sich der Zug in Bewegung, sanft rollt er aus. Front und Schlussbeleuchtung sind einseitig abschaltbar. Der Zugzielanzeiger ist an die Stirnbeleuchtung gekoppelt. Die Innenbeleuchtung simuliert erstmals das Einschalten einer Neonbeleuchtung. Es wird das typische Flackern dargestellt. Leider kann ich im Moment nicht sagen, ob dies tatsächlich noch so heute bei einem hochmodernen Triebwagen ist. Da müsste ich nun noch zum Bahnhof fahren und nachfragen. Signalhorn, Bahnhofsansage und Betriebsgeräusch sind wie wir sie vom bisherigen 648 kennen.

Dieser 648 stellt einen Zug der Harz/Weserbahn da; sein Zielbahnhof Herzberg, seine Betriebsnummer 648 266-4. Die Lackierung an dem von mir getesteten Modell war makellos. Der Zug befährt alle Radien der hauseigenen Gleissysteme, also auch den 2210 oder 5120, bekannt als Industriekreis; nicht befahrbar sind Weichen im Abzweig, die noch die großen Laternen besitzen.

LINT steht für Leichter Innovativer Nahverkehrstriebwagen. Genau dies verkörpert er auch im Modell. Innovativ die Türen für diejenigen, die Freude an solchen Spielereien haben. Dass solch beleuchtete Türen gewisse Kompromisse an die Optik bei Nachtbetrieb stellen, dürfte dem Käufer sicher klar sein aber auch hier gibt es mit der Funktion 14 die Möglichkeit die Lichtintensität auf 50% zu reduzieren, eine Einstellung, die ich auch bei Tagbetrieb favorisieren würde, weil dann die Türoptik so wie bei einem normalen 648 wirkt, oder dieser zumindest sehr nahe kommt. Und wie wirkt er in der Vitrine? Nun, die Grundfarbe der Displays ist nahe an der Farbgebung der Fensterbänder. Nur, wer stellt den Zug schon in die Vitrine? So etwas muss auf der Anlage fahren und die Technik will man ja dem staunenden Zuschauer auch mal zeigen. Wir müssen ja nicht gleich sagen, dass das Vorbild Schwenktüren hat, die sich nach aussen öffnen. Eines sollte man aber tunlichst vermeiden: Signalstoppstrecken ohne Strom. Da wird es dann finster. Man hätte dies vermeiden können, indem man dem Zug zwei Schleifer verpasst hätte. Immer der hintere könnte dann die Türen und Innenbeleuchtung auch vorm geschlossenen Signal mit Strom versorgen.

Das Gehäuse ist mit zwei Schrauben befestigt, die Wartungsfreundlichkeit somit gut. Das mittlere Drehgestell besitzt den Antrieb und unter ihm sitzt ein Flüsterschleifer.

Zum Vorbild sei noch gesagt, dass diese Züge in vielen Regionalverkehrsverbunden eingesetzt werden, sie erreichen eine Höchstgeschwindigkeit von 120km/h und können in Mehrfachtraktion gefahren werden. Hier im östlichen Ruhrgebiet fahren sie im Sauerlandnetz von Dortmund nach Lüdenscheid, Iserlohn oder Winterberg. Einfach und doppelt. Auch dies ist im Modell darstellbar. Beidseitig lassen sich die schon vor längerer Zeit angebotenen Dummys ankuppeln. Um bei diesen Mehrfachtraktionen die jeweils richtige Beleuchtung zu haben, sitzt im Dach eine Kontaktleiste mit einem Jumper, der entsprechend gesteckt werden sollte. Zu diesen Feinheiten sollte man dann die Anleitung lesen. Für Nutzer einer Tams EC Digitalzentrale sei noch gesagt, dass der Decoder für das m3 Protokoll der Tams in einer anderen Lok programmiert werden muss.

Man wird sehen, wie sich derartige Technik am Markt behaupten kann. Kommt sie an oder wird sie abgelehnt? Da wird z.Z. teilweise heftig gestritten. Der Hersteller schliesst zumindest nicht aus, dass auch andere Fahrzeuge mit so einer Technik ausgerüstet werden könnten. Die Rede war von einem S Bahntriebwagen der Baureihe 420. Da würden dann die Türen als Taschenschiebetüren noch etwas realistischer sein.

Über den Autor

Martin Meese

Martin Meese ist Jahrgang 1956 und ist seit frühester Jugend von Modellbahn und ihrem großen Vorbild begeistert. Heute ist er vor allem mit Märklin verbunden. Gern berät er in allen Digitalfragen und hilft bei Umbauten. Er gehört einem Stammtisch von 30 bis 35 Enthusiasten an, die sich regelmäßig über die Märklin-Bahnen austauschen. Für uns bloggt er seine persönliche Sicht auf neue Produkte und aktuelle Trends im Bereich der Modelleisenbahn.

Kommentare (1)

  1. Das war eine sehr schöne Messe, nicht nur weil wir im aufbau mitgemacht haben sonder weil es so viele Sachen gab die in Miniatur arbeiten gemacht worden sind, das ist einfach schön an zu schauen.
    Und der Zug war der Hammer, alle sanden um ihn habe ihn bewundert.

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