Fliegender Hamburger wird Sonderstempel

Zur diesjährigen INTERMODELLBAU gibt es einen Post-Sonderstempel mit dem „Fliegenden Hamburger“, also dem ersten Dieselschnelltriebwagen der fahrplanmäßig eingesetzt wurde. Gebaut und erprobt wurde dieser zweiteilige Zug im Jahre 1932, eingesetzt zwischen Berlin Lehrter Bahnhof und Hamburg ab 1933. Beide Fahrzeughälften ruhten auf einem Jakobsdrehgestell. Der Zug besaß die 1. und 2. Klasse, sowie einen Speiseraum. Charakteristisch für den Zug war das eingezogene Dach. Spätere Serien SVT hatten dies nicht mehr in dieser Bauart.

Seinerzeit verkörperte dieser Zug den Fortschritt auf Schienen schlechthin. Mit seinem Erfolg führte die damalige DRG den Fernverkehr zwischen den großen Städten im Reich und der Reichshauptstadt ein. Köln, München und Hamburg konnten als Tagesreise gebucht werden- am Morgen in die Hauptstadt und am Abend wieder zurück. Für Geschäftsleute ein ideales Angebot zu einer Zeit als an Fliegen in Deutschland noch nicht wirklich gedacht wurde- zumindest nicht für normale Geschäftsreisende. Das sogenannte Netz der Fliegenden Züge wurde stetig bis 1939 ausgebaut, kam aber schlagartig mit dem Ausbruch des 2. Weltkrieges zum Erliegen, weil Treibstoff leider anderweitig benötigt wurde.


Foto: CherubinoEigenes Werk, CC-BY-SA 4.0, Link

Ein Modell des hochmodernen Zuges gab es alsbald auch von Märklin in den Spuren 0 und I. Auch hier gilt, dass schnell nach Kriegsausbruch die Produktion eingestellt werden musste. Zu einer Neuauflage des auf der Stempel gezeigten Zuges kam es bei Märklin nicht wieder. Es wurde aber ein Nachfolgetyp in den Farben der Reichsbahn und der frühen DB gefertigt. Das Modell auf dem Stempel bot einst die Firma Kato für AC und DC Betrieb an. Massstäblich gefertigt und mit ausgewogenen Fahreigenschaften, ist es ein Fahrzeug, das man heute nur noch gebraucht erwerben könnte. Möglich, dass die Firma Kato es eines Tages wieder auflegt.

Und warum nun dieser Stempel? Möglicherweise soll er an 85 Jahre Schnelltriebwagenbetrieb in Deutschland erinnern. Die Relationen, die damals von dieser neuen Triebwagenfamilie bedient wurden, bedienen nämlich heute – wenn auch elektrisch – die ICE Baureihen 401, 402 oder 403. Wie in dreißiger Jahren auch gibt es Doppelgarnituren, die als Flügelzüge in Hamm (Westfalen) und Hannover getrennt werden. Von Hamm geht es einerseits nach Köln über die Wupperschiene oder nach Düsseldorf durchs Ruhrgebiet, von Hannover nach Hamburg oder Bremen.

Über den Autor

Martin Meese

Martin Meese ist Jahrgang 1956 und ist seit frühester Jugend von Modellbahn und ihrem großen Vorbild begeistert. Heute ist er vor allem mit Märklin verbunden. Gern berät er in allen Digitalfragen und hilft bei Umbauten. Er gehört einem Stammtisch von 30 bis 35 Enthusiasten an, die sich regelmäßig über die Märklin-Bahnen austauschen. Für uns bloggt er seine persönliche Sicht auf neue Produkte und aktuelle Trends im Bereich der Modelleisenbahn.