„Der INTERCOPTER Racing Cup war wie ein Klassentreffen“ – Interview mit Sieger Heiko Schenk

Heiko Schenk. Foto © Jörg Mitter

Heiko Schenk, 33 Jahre alt, ist leidenschaftlicher FPV-Racer. Er gehört sprichwörtlich zur ersten Liga der deutschen Drohnenpiloten. Für den IT-ler war der Sieg beim INTERCOPTER Racing Cup eines seiner Highlights im Jahr 2017. Wir sprechen mit dem Gesamtsieger des FPV-Rennens in der Westfalenhalle.

Heiko, wie bist du zu diesem noch eher ungewöhnlichen Hobby gekommen?
Letztes Jahr im April habe ich mit dem Drone Racing angefangen. Ich kam dazu, weil ich immer schon vom Modellbau fasziniert war. Irgendwann habe ich mir dann eine kleine Drohne mit Videofunktion gekauft. Ich habe das Ding dann zehnmal geflogen, das war es dann aber auch. Der Flug „auf Sicht“ faszinierte mich einfach nicht. Ich habe auch ein interessantes Video gesehen, in dem Copter Star Wars-ähnlich durch die Wälder geflogen sind. Danach habe ich mich dann schlau gemacht. Innerhalb von zwei, drei Tagen habe ich mir dann meinen ersten Copter in Einzelteilen gekauft. Ich habe noch nie vorher gelötet, also musste ich auch noch einen Kolben mitbestellen. Dann ging es langsam los.

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Posted by Heiko Schenk on Samstag, 8. April 2017


Wie lange dauerte es bei dir, bis du wirklich gut warst?
Woran ich mich noch erinnern kann: Als ich zum ersten Mal in die Luft aufgestiegen bin und dann durch die Brille geschaut habe, war das spektakulär. Später im gleichen Flug stieg ich etwas höher. Dann ging es Richtung Boden und ich bekam einen richtigen, kalten Schweißausbruch, weil ich das Gefühl hatte, zu fallen. Bis ich gut war, dauerte es ziemlich lange. Das ist aber auch eine subjektive Frage. Es kommt immer auf den Betrachter an. Ich meine, es hat bei mir sogar bis jetzt gedauert. Das wären jetzt etwa eineinhalb Jahre. Es klappt zwar schon ganz gut in letzter Zeit. Aber ab wann ist man wirklich gut? Ist es der erste Platz in der Top 10 oder wirklich die goldene Medallie? Schwer zu beantworten.

Was machte für dich die INTERMODELLBAU speziell?
Auf der Intermodellbau war die Location der Hammer. Indoor und diese ganzen leuchtenden LEDs – das war schon ziemlich spektakulär. Es war eines meiner ersten großen Events, wo ich dann wirklich vorne mit dabei geflogen bin. Und das, ohne dass ich das Gefühl hatte, über meine Verhältnisse zu fliegen. Das liegt natürlich auch daran, dass die Messe fünf Flugtage bot, was mir bei der Vorbereitung immens half. Dazu war es dann aber auch leider ziemlich kostenintensiv: Alles bestand aus Beton und Stahl, wo selbst die stabilen Racing-Copter eine Kollision zum Teil nicht aushalten. Alles in allem war es echt ein tolles Event und die Organisierung war eine der Besten, die ich bisher erlebte. Solche Veranstaltungen sind immer ein wenig wie Klassentreffen: Jeder kennt jeden, was die Atmosphäre sehr angenehm macht.

Nach der INTERMODELLBAU hattest du viele große Events. Was steht bei dir derzeit alles auf dem Terminkalender?
Was mich auf jeden Fall flashte, war ein Event in Österreich für die Drone Champions League (DCL). Das fand in einer Messehalle statt. Mit der DCL war ich später dann auch mitten in Paris, auf der Avenue des Champs-Élysées, direkt am Arc de Triomphe. Das war eine spektakuläre Veranstaltung, auch wenn dort viele technische Probleme hatten. Danach ging es nach Liechtenstein. Das war für mich eine wirklich neue Liga: Da flogen die besten Piloten der Welt, etwa aus Korea und Amerika. Letzte Woche war ich in Brüssel – das war noch einmal eine Nummer beeindruckender. Die Stadt hat 1,2 Millionen Einwohner und das Event war mitten in der Stadt. Da kamen dann viele Menschen vorbei und es gab sogar richtige Fans , die sich über Unterschriften gefreut haben.
Außerdem war ich noch in Amerika: Für den Hersteller Team BlackSheep war ich im MultiGP International Open dabei. Ich war echt froh, mal in den USA mitzufliegen – deren Tracks, deren Skill-Level und die Menschen mal kennen zu lernen. Beim sogenannten Chicken Run-Race in der Nähe von Hannover qualifizierte ich mich außerdem für die World Drone Prix in Korea. Dort werde ich im Dezember fliegen. Ansonsten ist jetzt erst einmal mehr oder weniger Winterpause und ich lasse alles einfach auf mich zukommen.

Du arbeitest nebenbei als ITler. Glaubst du, dass FPV-Racing dich in den nächsten Jahren unabhängig machen kann?
Naja, erstmal muss ich sagen, dass ich nicht nebenbei arbeite, sondern vielmehr nebenbei fliege. Mein Job ist natürlich das Wichtigste. Ich habe ein Kind und eine Freundin, das ist an allererster Stelle. Ich glaube, dass Drohnenrennen noch nicht so weit sind. Aber es wäre natürlich schon eine interessante Aussicht. Wenn man sich vielleicht weniger auf das Racing konzentriert, sondern mehr auf das Drumherum – etwa auf VLOG-Basis – ist die Chance auf finanzielle Unabhängigkeit mit Sicherheit größer.

Hast du Angst vor der Konkurrenz aus Nordkorea und China, die zum Teil den ganzen Tag nur fliegen?
In Videos sieht es unfassbar schnell aus, wie Leute wie MinChan Kim fliegen. Aber auch die Piloten kochen nur mit Wasser. Wenn man auf Events gegen diese Personen fliegt, kann man ihnen zum Teil auch mal einen auswischen. Die Asiaten sind inzwischen mit ihrer Hardware Up to Date. In Zukunft gibt es ein hartes Battle gegen Piloten, die aus anderen Ecken des Planeten kommen. Und natürlich haben diese Personen immer noch gute Chancen.

Wäre ich ein Anfänger und möchte mir einen Racing-Copter zulegen – was wären deine Tipps an mich?
Diese Frage wird gern gestellt. Ich bin mir sicher, dass es am wichtigsten ist, ein wenig am Simulator zu üben. ich bin ein großer Fan des Simulators „Velocidrone“. Wenn etwas länger am PC geübt wird, macht das Fliegen letzten Endes viel mehr Spaß, weil man einfach nicht so häufig crasht und nicht so viel kaputt macht. Nebenbei ist man noch ein Ticken schneller unterwegs. Auch ein sauberer Aufbau ist echt wichtig: Gutes Löten und ein Setup mit kurzen Kabeln sowie festen Verbindungen ist elementar. Ich bin selbst noch dabei, ein wenig zu lernen. Meine Copter sind immer noch nicht so sauber, wie sie sein sollten. Wird eine Drohne mit Liebe gebaut, hält er im Falle eines Crashes besser und länger.
Bei der Suche nach passenden Komponenten hilft Google eigentlich am besten. Die Shops in Deutschland haben zum Teil eine sehr gute Spezialisierung. Die haben genau die richtigen Sachen und sind immer Up to Date. Nebenbei helfen sie häufig auf bei der Suche nach perfekt harmonierenden Komponenten. Wenn es aber günstiger sein muss, reicht einer der vielen China-Shops aber sicherlich auch.

Beitragsfoto: © Jörg Mitter

Über den Autor

Mika Baumeister

Mika ist ein Copter-Pilot und 3D-Druck-Enthusiast aus Bonn, wo er nebenbei Technikjournalismus studiert. Neue technische Themen schrecken ihn nicht ab: Kein Wunder, dass auch Virtual sowie Augmented Reality zu seinen Steckenpferdern gehört. Er half bereits bei der Konzeptionierung des ersten INTERCOPTER Racing Cup. Für den Messeblog der INTERMODELLBAU schreibt er über aktuelle Entwicklungen in Sachen Multicopter, 3D-Druck sowie Battlebots.

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