Der TGV Rekordzug

Im Jahre 2007 stellten die französischen Eisenbahnen (SNCF) einen neuen Weltrekord auf Schienen auf. Ein speziell für die Rekordfahrt hergerichteter TGV Douplex, also die Variante mit den Doppelstockwagen, wurde dazu benutzt. Der Zug bestand allerdings nur aus zwei Triebköpfen und drei Mittelwagen, die darüber hinaus mit zusätzlichen Antrieben ausgestattet waren. Zusätzlich installierte Motoren und nur noch ein Triebkopf mit nur einem Pantographen kennzeichneten den in einer sehr futuristischen Lackierung (oder war es eine Beklebung mit Folien?) auftretenden Triebzug. Die Rekordfahrt fand am 3. April 2007 statt. Erreicht wurden mit dem aerodynamisch optimiertem Zug sagenhafte 574,79km/h. Für solche Fahrten sind die SNCF bekannt, stellten sie doch schon vor mehr als 60 Jahren mit zwei lokbespannten Zügen einen Weltrekord von 331km/h auf.

Und das Modell von Märklin? Das kam im vergangenen Jahr zum Weihnachtsfest in der gleichen eleganten Erscheinung zu den Händlern. Es ist limitiert auf 3000 Exemplare, jedem Modell liegt ein Zertifikat mit Seriennummer bei.

Dieser besondere TGV ist auch bei Märklin der erste in Douplex Ausführung. Bisher gab es die blauen TGV für den Einsatz z. B. nach München und für den schweizer Markt eine Variante als TGV Lyria, der Paris mit Lausanne verbindet, in einem speziellen Grünton; ferner drei Thalys Varianten für den Einsatz Paris- Köln/Dortmund bzw. Amsterdam.

Alle Modelle sind mit Motoren in beiden Triebköpfen ausgestattet, die die Züge auf eine wenn auch beachtliche aber nicht annähernde Vorbildgeschwindigkeit beschleunigen. Ein Nachstellen der Hochgeschwindigkeitsfahrt muss deshalb ausfallen. Es dürfte aber auch den allermeisten Modellbahnern am nötigen Platz für die Strecke mangeln. Die modellbahnüblichen Radien selbst der größeren Dimension würden diesen TGV wohl nicht mehr im Gleis halten. So ist eben bei knapp 300km/h Schluss im Massstab 1:87.

Weitere technische Merkmale sind: abschaltbares 3. Stirnlicht, Innenbeleuchtung, umfangreiche Sounds und der dazu notwendige mfx+ Decoder. Der Zug besitzt zwei Schleifer für die stromabnahme in Fahrtrichtung. Ein Betrieb mit Oberleitung ist nicht vorgesehen. Der mfx+ Decoder befindet sich im Triebkopf mit dem Pantographen. Verbunden sind die Wagen durch eine sehr sicher kuppelnde neunpolige el. Kupplung.

Die optische Ausführung ist von erster Güte. Die Bedruckung und Bemalung sind in allen Bereichen tadellos. Märklin hat die Dachausrüstung entsprechend dem Versuchszug angepasst. Sogar die Frontscheiben wurden neu ohne Scheibenwischer nachgebildet (sie waren für die Rekordfahrt demontiert), die vordere Bugklappe entsprechend als nicht zu öffnen dargestellt. Am hinteren Ende ist die normale Bugklappe.

An Fahrgeräuschen vernimmt man im wesentlichen nur die Geräusche der Räder, kaum etwas vom Antrieb. Der Zug fährt sanft an und bremst auch ebenso sanft ab.

Geliefert wird das Modell in einem Karton mit einem Foto des Vorbildzuges. Die Aufmachung kann man als gelungen bezeichnen.

Platz für ein wenig Kritik bleibt dennoch. Man fragt sich, warum ein solch hochpreisiger Zug keinen ferngesteuerten Pantographen bekam. Ein weiteres Feature wäre die Nachahmung des Funkenflugs am Fahrdraht gewesen. Eine kleine blau flackernde LED im Panto versteckt mit zunehmender Geschwindigkeit immer mehr flackernd. So etwas soll es geben, im Zubehörhandel. Gut, das rüstet man dann eben möglicherweise selbst nach.
Ein Vorteil dieses Zuges ist seine Kürze, er kann durchaus glaubhaft als Zug auch auf kleineren Anlagen verkehren. Der 10teilige Douplex, auf den wir sicher nicht mehr lange warten müssen, würde da eher eigenartig wirken. Für diese schönen Züge braucht man Platz, vor allem lange Gerade bzw. nur sanft geschwungene Kurven.

Noch ein Hinweis für alle Freunde des M Gleises: Dafür ist er nicht geeignet. Die Wagen kommen selbst mit den kleinen Laternen der Weichen nicht klar. Selbst 5202, also R2 Weichenlaterne, ist oft noch zu nah am Wagenaufbau. Auf die Dauer wäre der Lack am Zug stellenweise wohl weg. Märklin schreibt nur bei 5140 gäbe es Probleme. Stimmt so nicht, eben bei anderen Weichen auch.

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Über den Autor

Martin Meese

Martin Meese ist Jahrgang 1956 und ist seit frühester Jugend von Modellbahn und ihrem großen Vorbild begeistert. Heute ist er vor allem mit Märklin verbunden. Gern berät er in allen Digitalfragen und hilft bei Umbauten. Er gehört einem Stammtisch von 30 bis 35 Enthusiasten an, die sich regelmäßig über die Märklin-Bahnen austauschen. Für uns bloggt er seine persönliche Sicht auf neue Produkte und aktuelle Trends im Bereich der Modelleisenbahn.