Die Lange mit Lokführer

Ein Blick auf die 103 als Märklin Insidermodell 2017 in der langen Ausführung für die Mitglieder des Clubs.

Die Geschichte der 103 begann bei Märklin schon Mitte der 60ziger Jahre. Das neue Flagschiff der DB wurde umgehend als Modell unter der Nummer 3053 angeboten und war ein Verkaufsschlager in unzähligen Variationen. Elegant und farblich sehr attraktiv neben dem tristen blau und grün der überwiegenden DB Modelle zu damaliger Zeit. Mit dem Serienmodell kam auch bei Märklin die neue Variante mit dem doppelten Lüfterband. Doppelte Lüfter, weil die Motorleistung erhöht wurde und die Kühlung mit einer Reihe nicht ausreichte. Was nicht aus Göppingen kam in den zurückliegenden Jahrzehnten, war die spätere lange 103, die die Lokführer forderten, weil es ihnen in den Führerständen zu eng war. So wurde die zweite Bauserie 103 ab der Nummer 103 216 mit verlängerten Führerständen geliefert. Nachträglich wurde noch die 103 173 mit langem Führerstand ausgestattet.

Vielleicht hat man bei Märklin lange keine Notwendigkeit für diese eigentlich nur auf den zweiten Blick erkennbare andere 103 gesehen. Und wenn einem dann noch bewusst wird, dass die alten Modelle auch noch geringfügig zu kurz geraten waren, wird man zustimmen, dass es Zeit für eine neue 103 war. Mit dieser neuen 103, die übrigens nun fast komplett in Metall umgesetzt wurde, gibt es eine weitere H0-Neuheit: In den Führerständen sind Lokführer, die nur jeweils nach Fahrtrichtung vorn sichtbar sind. Durch eine geschickte Mechanik verschwinden die beiden oder erscheinen auf Knopfdruck. Bei dieser Weltneuheit vergißt man schon fast zu erwähnen, dass die Pantographen ebenfalls ferngesteuert gehoben und gesenkt werden können, jeweils begleitet vom passenden Sound des Stromabnehmeranlegens bei Vorbild, übrigens sehr gut synchronisiert.

Insgesamt bietet dieses Modell 32 Zusatzfunktionen und die sogenannte Spielewelt. Der Decoder versteht mfx, MM und DCC.

Was bietet die Lok sonst noch? Ausgerüstet ist sie mit einem DC-Fünfpoler, der beidseitig Schwungmassen auf der Welle besitzt. So erhält die Lok Fahreigenschaften, die wirklich überzeugen. Analog getestet auf M-Gleisen mit Stopstellen steht sie der ehemaligen 3053 in nichts nach. Was fehlt ist der Sound des Stirnradgetriebes. Sie rollt dynamisch aus, so wie ich es mir wünsche.

Über die Lackierung und Bedruckung zu sprechen erübrigt sich fast. Sie ist über jeden Zweifel erhaben. Konturenscharf lesbare Anschriften. Ein sauber detaillierter Dachgarten mit Leitungen und Isolatoren an den richtigen Stellen, dazu einzeln farblich abgesetzte Elemente. Man sollte die neu konstruierten Pantos noch würdigen. Für echten Oberleitungsbetrieb sind sie aber nicht vorgesehen.

Möglicherweise werden wir eines Tages mit einem E-Lokmodell beglückt, das erst dann den Motorstrom bekommt, wenn mindestens ein Panto anliegt. Auch diese sind dem Vorbild nun näher als bei den letzten kurzen 103 Maschinen. Der Maschinenraum ist ebenfalls beleuchtet. Beiliegend findet man austauschbare Frontschürzen und Bremsschläuche. Dass die Lok KK mit Kulissen besitzt, ist auch keine Überraschung mehr. Der Lokaufbau wird von zwei Schrauben gehalten, die sich unter der Bodenattrappe verbergen. Um den Aufbau abzunehmen, müssen die Frontschürzen und Kupplungen abgezogen werden.

Und wo setzt man das Modell am besten ein? Nun, da ist in erster Linie der schwere IC und TEE Verkehr der Epoche IV zu nennen. Bis zum Erscheinen der Nachfolgerinnen der BR101 war dies das Hauptarbeitsfeld für diese Baureihe, die in Frankfurt und Hamburg stationiert war. Die Loks kamen aber auch vor D-Zügen und seltener auch im Güter- und Nahverkehr zum Einsatz. Bilder solcher Einsätze sind durchaus zu finden, wenn es auch nicht die Regel war. Märklin hat genügend Wagenmaterial für die Lok im Programm. Speziell für das Insidermodell gibt es das Parsifal Wagenset.

Mit diesem Modell wird sicherlich eine neue Serie der kultigen 103 eröffnet. Farbvarianten gibt es reichlich, sogar in verkehrsrot – aber das ist eine andere Geschichte.

Über den Autor

Martin Meese

Martin Meese ist Jahrgang 1956 und ist seit frühester Jugend von Modellbahn und ihrem großen Vorbild begeistert. Heute ist er vor allem mit Märklin verbunden. Gern berät er in allen Digitalfragen und hilft bei Umbauten. Er gehört einem Stammtisch von 30 bis 35 Enthusiasten an, die sich regelmäßig über die Märklin-Bahnen austauschen. Für uns bloggt er seine persönliche Sicht auf neue Produkte und aktuelle Trends im Bereich der Modelleisenbahn.