Die Modelleisenbahn im Wandel der Zeit

Der Jahreswechsel steht bevor. Ein weiteres Jahr ist geschafft, ein neues Modellbaujahr steht an. Zeit, sich Gedanken zu machen. Beispielsweise über die Zukunftsfähigkeit der Modellbahn.
Was macht die Modellbahn heutzutage attraktiv? Ist sie überhaupt noch attraktiv für junge Leute oder ist es ein Hobby, dass nur die ältere Generation noch betreibt? Martin Meese mit einem Überblick.

Geht man in die einschlägigen Geschäfte und auf Messen oder Börsen, so bekommt man doch recht schnell den Eindruck, dass hier die Generation 50+ deutlich überwiegt. Gut, diese Generation ist noch mit einer anderen Vorbild Eisenbahn groß geworden als die heutige Jugend. Die Eisenbahn war vor 50 Jahren durchaus präsenter als sie das heutzutage ist. Bahnhöfe sind vielerorts zu Haltepunkten degradiert, der interessante Güterumschlag von Stückgut findet heute überwiegend in so genannten Logistik- oder Verteilerzentren statt und wird – leider – zum größten Teil per LKW befördert. Man lernt die Bahn also nicht unbedingt an jeder Ecke im Land kennen und ist auch nicht mehr unbedingt mit allen bahntypischen Abläufen vertraut.

Aber dennoch gibt es ja Menschen, die sich dem Hobby widmen, auch junge Menschen. Die Faszination geht ja oftmals von Dingen aus, die sich bewegen oder bewegen lassen. So gesehen ist die Beschäftigung mit einer Modellbahn ähnlich der mit Schiffsmodellen oder Flugzeugen oder Strassenfahrzeugen. Das Hobby Modellbahn kann sehr vielfältige Facetten haben. So gibt es den Modellbahner , der sich ausschließlich einer gewissen Epoche und den entsprechenden Fahrzeugen widmet jener Zeit widmet. Andere sind eher Sammler von bestimmten Fahrzeugen oder Marken, wieder andere sehen im Landschaftsbau und der möglichst realistischen Nachbildung eine Herausforderung.

Dann wäre da noch der Technikfan, der sich nur auf das wesentliche der Bahnanlagen beschränkt und die Landschaft aussen vor läßt. Diese Art des Modellbahn-Betreibens gibt es schon fast solange wie es die große Eisenbahn gibt.

Wirklich für die breite Masse waren detaillierte Modellzüge aber wohl erst im Laufe der 50ziger und den 60ziger Jahren zugänglich. War die Spur H0 im Massstab 1:87 (HalbNull) kurz vor Ausbruch des 2. Weltkriegs marktreif, so war sie doch auch damals relativ teuer. Sie hatte aber den großen Vorteil, dass sie nun kleiner war und die besseren Wohnverhältnisse in Jahren des Wirtschaftswunder verhalfen ihr zum Durchbruch. So waren in den Haushalten mehr und mehr Väter und Söhne mit Modellbahn beschäftigt. Einmal richtig infiziert läßt einen das Thema in der Regel nicht mehr los. Ich denke, dass das heute noch so ist wie einst. Technik kann begeistern.

Wer meint, dass Modellbahn heute ein veraltetes Hobby ist, hat sich die letzten 30 Jahre entweder nicht für das Thema interessiert oder hat sich bewusst der digitalen Welt der Modellbahnsteuerung entzogen. Modellbahn begeistert heute oft durch die verbaute Technik. Lokomotiven sind nicht nur den großen Vorbildern fast bis zur letzten Niete nachempfunden. Sie sind auch innen mit Elektroniken ausgerüstet, die auf Wunsch das Vorbild mit seine typischen, oft auch authentischen Geräuschen wider gibt. Das fasziniert jeden Betrachter. Was ebenso Eindruck beim Zuschauer macht, ist die digitale Steuerung mittels PC. Man sieht, das Modellbahn keine Insel ist, sondern man neueste Technik zur Steuerung anwenden kann. So kann man das eine mit dem anderen verbinden. Ein selbst erstellter Fahrplan etwa bereitet genauso Freude beim wiederholten Ablauf wie eine in langer Zeit erstellte Landschaft, die man auf sich wirken läßt. Mit entsprechenden Programmen ist dies heute möglich. Auch die Steuerung mit dem Smartphone ist nun möglich. Die entsprechenden Apps bieten die großen Hersteller für ihre Steuerungssysteme an. Man muss es nicht machen, aber man kann.

Wer sich also schon immer etwas für die Welt der Eisenbahn interessierte, der bekommt heute neben den Zügen auch hochmoderne Steuerungstechnik, die im Gegensatz zu früher das miteinander Spielen sehr viel interessanter macht. Die Welt der aufgeteilten Stromkreise (man erinnere sich an die Trafos) ist nämlich längst Geschichte. Mit digitaler Steuerungstechnik ist jede Lokmotive oder Triebwagen von seinem Lokführer eigenständig fahrbar und zwar über die gesamte Anlage. Es gilt lediglich Weichen und Signale bzw. Fahrbefehle zu beachten. So könnten mehrere Mitspieler auf größeren Anlagen sinnvoll nebeneinander spielen. Eine Überführungsfahrt aus dem BW in den Bahnhof, eine Fahrt vom Ablaufberg auf die Strecke, dies alles geht ohne, das sich jemand von einem Fahrgerät zum nächsten bewegen muss. Genau dies fehlte der Generation 50+ als sie jung waren. Es gab so etwas damals in den frühen 70zigern; es war aber schlicht nicht erschwinglich und schon gar nicht wegen der Größe der Bauteile in jede Lok einzubauen.

Das Hobby Modellbahn begeistert nach wie vor Groß und Klein. Man muss den Kleinen nur zeigen, was alles machbar ist und natürlich Geduld haben. Ob Plug & Play der richtige Ansatz ist, möchte ich bezweifeln. Ein Hobby sollte auch neben der Entspannung etwas fordern. Altes mit Neuem verbinden, kann Freude und Spass bereiten. Wer also so etwas im Keller oder auf dem Dach aus seiner Jugend findet, sollte es nicht entsorgen, sondern mit heutigen Komponenten auf den neuesten Stand der Technik bringen. Nahezu alle Modelle der bekannten Hersteller Märklin, Fleischmann, Trix lassen sich digitalisieren.

Über den Autor

Martin Meese

Martin Meese ist Jahrgang 1956 und ist seit frühester Jugend von Modellbahn und ihrem großen Vorbild begeistert. Heute ist er vor allem mit Märklin verbunden. Gern berät er in allen Digitalfragen und hilft bei Umbauten. Er gehört einem Stammtisch von 30 bis 35 Enthusiasten an, die sich regelmäßig über die Märklin-Bahnen austauschen. Für uns bloggt er seine persönliche Sicht auf neue Produkte und aktuelle Trends im Bereich der Modelleisenbahn.

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