ESU Class 66 der CargoNet in Norwegen

Seit einigen Jahren hat auch der bekannte Hersteller ESU Lok- und Wagenmodelle im Vertrieb. ESU-Loks sind grundsätzlich mit einem umfangreichen Soundprogramm ausgestattet und zusätzlich werden in den meisten Loks auch Lichtfunktionen über das übliche Maß mitgeliefert. Die hier vorgestellte Class 66 ist so eine Vertreterin. Zusätzlich besitzen Dieselloks noch Abgaserzeuger.

Doch zunächst ein kurzer Blick auf das Vorbild dieser sechsachsigen Maschine. Schon auf den ersten Blick fällt auf, dass die Lok etwas anders als die bekannten Loks auf den Gleisen des europäischen Festlandes daherkommt. Sie wirkt deutlich kleiner in Höhe und Breite. Ist sie also aus Großbritannien? Ja und nein. Die Lok stammt ursprünglich aus Kanada von der EMD (Electro Motive Division) und wurde für private Eisenbahnunternehmen im vereinigten Königreich geliefert. Mit der Privatisierung von Bahnverkehr auf dem Festland kam es bei den neuen EVU zu einer Nachfrage nach Dieselloks, die es aber hier nicht in ausreichender Menge auf dem Gebrauchtmarkt gab. Die Briten wollten sich von den aus den frühen Neunzigerjahren stammenden Loks trennen. Die DB erwarb eine Maschine, testete sie und verkaufte sie an einen Baukonzern. Daraufhin erwarb die Häfen und Güterverkehr Köln AG zwei Maschinen, da das Zulassungsverfahren nun einfach war, es gab ja bereits eine Lok. Positive Testfahrten führten dann zu weiteren Anmietungen. Das Beiblatt des Modells gibt über die Technik und Ausrüstung der Class 66 sehr detailliert Auskunft. Ca. 650 Maschinen dieses dieselelektrischen Typs sind europaweit im Einsatz, vorwiegend vor Container-, Tank- und Autozügen.

Das Modell, konstruktiv für 2- oder 3-Leiter-Betrieb gebaut, wird gut geschützt und auf einer Konsole verschraubt in einem soliden Karton ausgeliefert. Beiliegend ist eine 27-seitige Anleitung. Der Multiprotokoll-Sounddecoder mit Railcom Plus verfügt über 21 Funktionen. Er meldet sich sowohl an der hauseigenen ECOS als auch an einer Märklin Zentrale selbständig an. Man kann alle Lichtfunktionen, die das Vorbild hat, auch im Modell schalten. Zusätzlich noch eine Führerpultbeleuchtung. Der verbaute getaktete Raucherzeuger funktioniert nur im Zusammenspiel mit dem Motorsound. Die Geräuschfunktionen bieten alles, was das Herz begehrt, so auch einen Kurvensound, der äusserst realistisch das Befahren eines engen Gleisbogen bei niedriger Geschwindigkeit widerspiegelt. Um auch bei verschmutzten Gleisen nicht sofort Soundaussetzer zu haben, ist die Lok mit einem Powerpack ausgerüstet. Dass die Räder beim normalen Bremsen Funken sprühen, ist ein netter Gag aber eher weniger vorbildgerecht. Die Variante für AC Digital hat natürlich eine Flüsterschleifer. Eine Stirnseite ist werkseitig mit einer Bügelkupplung im Normschacht ausgerüstet. Fänden wir hier nun noch eine fernsteuerbare Telexkupplung verbaut, wäre das Modell voll.

Wie kann man das Modell nun einsetzen? Am besten sieht man sich zum hier vorgestellten Modell das Video an, das man unter diesem Link findet und einen Containerzug bei der Ausfahrt aus Bodö zeigt:

Andere mitteleuropäische Farbvarianten dann entsprechend vor Zügen in B, D, PL oder Frankreich. Im Netz gibt es dazu sehr viele Bilder. ESU bietet diverse Farbvarianten an. Nicht geeignet ist die Maschine für den Personenzugeinsatz, da ihr die dafür nötige Heizungsanlage fehlt.

Die Fahreigenschaften des Modells sind ausgewogen, die Zugkraft des schweren Modells ist dank der mit vier Haftreifen ausgestatteten Achsen mehr als ausreichend. Die Ausrüstung mit Federpuffern überzeugt ebenfalls. Sogar ein Lokführer ist auf einem der Führerstände zu finden. Man hat nicht den Eindruck, dass Bauteile abfallen oder im Betrieb verloren gehen. Der überzeugend nachgebildete Lokaufbau mit dem feinen Dachlüfter ist mittels vier Schrauben auf dem Fahrwerk verschraubt. Wie die Wartungsarbeiten auszuführen sind, schildert die Bedienungsanleitung mit aussagekräftigen Fotos.

Abschießend bleibt zu sagen, dass man mit dem Erwerb dieses Modells eine Lok auf der Anlage hat, die aus dem allgemeine Erscheinungsbild europäischer Dieselloks heraussticht. Wer die Epoche V oder VI zeigen will, der sollte über die Anschaffung durchaus nachdenken. Mit etwa 350 bis 400 Euro schlägt sie zu Buche.

ESU findet Ihr auch auf der INTERMODELLBAU 2018 – in Halle 4 an Stand 4.A04.

Über den Autor

Martin Meese

Martin Meese ist Jahrgang 1956 und ist seit frühester Jugend von Modellbahn und ihrem großen Vorbild begeistert. Heute ist er vor allem mit Märklin verbunden. Gern berät er in allen Digitalfragen und hilft bei Umbauten. Er gehört einem Stammtisch von 30 bis 35 Enthusiasten an, die sich regelmäßig über die Märklin-Bahnen austauschen. Für uns bloggt er seine persönliche Sicht auf neue Produkte und aktuelle Trends im Bereich der Modelleisenbahn.