FES: Nase ab beim Segelflugmodell

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Bei den Zweckmodellen wird es schon seit Jahrzehnten praktiziert: Die Rumpfspitze (Nase) wird abgesägt und ein Elektromotor eingebaut. Das erspart dem Segler-Piloten – vor allem in der Ebene – Starthilfen wie Gummi-Seil, Winde oder Schlepppilot. Man ist unabhängig und hat bei wenig Thermik längere Flugzeiten. Mittlerweile werden mehr solche E-Segler betrieben als Segler ohne Antrieb.

Dagegen war es bei denen, die vorbildgetreue (Scale) Segelflugzeuge als Modell nachbauen und fliegen absolut verpönt, einen Motor in der Rumpfspitze einzubauen. Das Modell würde verunstaltet werden und nicht mehr dem Vorbild entsprechen. Doch das hat sich jetzt geändert.

Auch in der manntragenden Segelfliegerei setzen sich „Nasenantriebe“ durch. Dort werden sie FES genannt. Das steht für Front Electric Sustainer. Hier hat die Fima LZ design aus Slovenien Pionierarbeit geleistet. Mittlerweile werden FES-Antriebe für viele der modernen Segelflugzeuge als Zurüstsatz angeboten.

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Und jetzt ist es auch für die Scale-Modellsegelflieger OK, wenn sich ein Propeller an der Rumpfspitze dreht. Ein Vorteil bei den Nachbauten der Vorbilder gegenüber den Zweckmodellen ist die größere Bodenfreiheit aufgrund der deutlich größeren Rumpfquerschnitte. Mit einem geeigneten Einzieh-Fahrwerk ausgestattet, ist sogar der Bodenstart des Segelflugmodells problemlos möglich. Weitere Vorteile: Es entsteht kein Nickmoment, wie bei Klapptriebwerken (KTW). Die Motorkraft steht sofort zur Verfügung und nicht erst nach dem Ausfahren des KTW. Und der Einbau ist gegenüber dem eines KTW absolut problemlos und mit keinem mechanischen Aufwand möglich.

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Die Modellbau-Industrie hat ebenfalls schon reagiert. Bei robbe gibt es Komplettsets zum Ausbau von Seglern mit 5 m und 6 m Spannweite. Die Firma Rosenthal präsentiert auf der experTEC den Arcus E (6,7 m Spannweite) mit FES-Antrieb sowie ein neues Einziehfahrwerk mit verlängerter Schwinge für mehr Bodenfreiheit.

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Über den Autor

Frank Schwartz

Frank Schwartz aus Baden-Baden ist Autor bei der Fachzeitschrift „FMT – Flugmodell und Technik“. Als Redakteur erstellt er das jährlich erscheinende Special „FMT-Extra RC-Hangflug“. Er ist Redaktionsmitglied der österreichischen Modellflug-Zeitschrift „prop“. In der „Erlebniswelt-Segelfliegen.de“ veranstaltet Frank Schwartz Reisen und Trainings im ferngesteuerten Segelflug, die ihn und sein Teilnehmer in spannende Hangflug-Gebiete führen.

Zuvor war er fast drei Jahrzehnte als Redaktions- und Verlagsleiter im „VTH – Verlag für Technik und Handwerk“ (u.a. FMT) tätig und danach drei Jahre Leiter Marketing der Firma robbe Modellsport. In über zehn sehr intensiven Jahren im Wettbewerbsfliegen (Segler, F5B, „10-Zeller“ und F5D Pylon) waren zwei WM-Teilnahmen in der Klasse F5B die Highlights. In dieser Zeit konstruierte und baute er das eigene Voll-GFK Modell „Horus“. Ein Jahrzehnt Gleitschirmfliegen haben seine Sicht auf Thermik und Hangaufwind weiter geschärft.

Seine große Leidenschaft war und ist aber der antriebslose RC Segelflug. Mit seiner erfolgreichen Teilnahme im Online-Contest (OLC) hat ihn die sportliche Variante des Segelfliegens wieder eingeholt.