Günstiger Einstieg in die Modellbahnwelt

139 Euro UVP für ein Startset sind zunächst nicht ungewöhnlich, aber bei Betrachtung des Inhaltes dann eben doch. Dafür bekommt man von Piko eine ausgewachsene, fein detaillierte und gravierte sechsachsige Diesellokomotive mit drei unterschiedlich beschrifteten offenen Vierachsern, ein großes Gleisoval und einen Fahrtregler mit Netzteil. Geht nicht mit vorbildgerechten Modellen möchte man meinen. Aber weit gefehlt. Ich habe sie mir näher angesehen.

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Die Lok hat eine Großdiesellok der Baureihe 119 (119 060-2) der ehemaligen Deutschen Reichsbahn der DDR zum Vorbild, ebenso die offenen Vierachser sind östlicher Herkunft.
Nach der Wende kamen die Loks auch auf Strecken der DB zum Einsatz, die Wagen waren sicher auch vor der Wende in Güterzügen im Westen unterwegs. Beheimatet war diese Lok in Probstzella, RBD Erfurt. Es spricht also nichts gegen den Einsatz, zumindest der Wagen, auf der klassischen Modellbahn bei Wessis und Ossis.

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Die bekannte Lok hat warmweisse LED Spitzenbeleuchtung, rote Schlusslichter, beides sauber lichttechnisch getrennt, und der kräftige Motor besitzt auch hier eine sehr wirkungsvolle Schwungmasse, die der Lok zu ausgewogenen Fahreigenschaften verhilft. Lackiert und bedruckt in den Farben der ehemaligen DR macht sie einen sehr guten Eindruck. Das graue Fahrwerk ist mit dem Lokaufbau über zwei von unten zugänglichen Kreuzschlitzschrauben verbunden. Auf der Motorabdeckung finden wir eine achtpolige Schnittstelle, die mit einem Decoder nach eigener Wahl bestückt werden kann. Ab Werk ist die Lok nicht digitalisiert. Dies bei dem geforderten Preis zu kritisieren halte ich für nicht angemessen; allerdings stellt sich mir die Frage, ob ein Digitaldecoder wirklich teurer wäre als die Analogplatine. Wahrscheinlich könnte man zum gleichen Preis auch einen Decoder anbieten. Ferner positiv: Das große Gleisoval (160cm x 90cm Grundfläche benötigt man) ist mit Radien R2 ausgeführt!

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Für den Betriebsbahner ist die Lok, so wie sie aus der Packung kommt, zu sauber. Dach und Fahrwerk sollten gealtert werden, insbesondere die Pufferbohlen wirken zu frisch. So geleckt sieht keine Lok aus, schon gar nicht wenn sie im harten Betriebsdienst der Gütersparte unterwegs sein soll. Ebenso fehlen die Rußspuren auf dem Dach. Dies selbst anzubringen, dürfte in Anbetracht des sehr günstigen Anschaffungspreises eine leichte und schöne Übung sein.

Nun bin ich selbst kein DC Modellbahner und brauche einen Schleifer für die Pukos. Kein Problem. Der Umbau auf das Märklin System ist kinderleicht. Der hauseigene Piko Schleifer ist schnell montiert. Etwas Lötkenntnisse sind lediglich für die Umverkabelung der Radstromabnahme nötig. Die Radsätze der Wagen tauscht sicherlich der Fachhändler und schon steht diesem schönen Set ein Einsatz auf der AC Anlage nichts mehr im Wege. Übrigens sind die Wagen mit KKK ausgeführt. Ab Werk eingesteckt sind Bügelkupplungen.

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Nicht nur mit diesem Set zeigt Piko, dass der Start in die Modellbahnwelt wirklich kein Vermögen kosten muss und der Nachwuchs auch nicht mit Fantasiemodellen abgespeist wird. Auch wenn ich nicht als Adressat dieser Packung gemeint war, wird es mir leicht fallen das Set wohl auch zu erwerben. Die geraden Gleise kann man in Vitrinen verwenden oder man veräußert oder verschenkt sie an die DC-Bahner.

Über den Autor

Martin Meese

Martin Meese ist Jahrgang 1956 und ist seit frühester Jugend von Modellbahn und ihrem großen Vorbild begeistert. Heute ist er vor allem mit Märklin verbunden. Gern berät er in allen Digitalfragen und hilft bei Umbauten. Er gehört einem Stammtisch von 30 bis 35 Enthusiasten an, die sich regelmäßig über die Märklin-Bahnen austauschen. Für uns bloggt er seine persönliche Sicht auf neue Produkte und aktuelle Trends im Bereich der Modelleisenbahn.