Pikos neue V200

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Eine V200 als Neuheit im Jahr 2014 mag auf den ersten Blick nicht unbedingt als Sensation gelten, zumal diese Lok schon so ziemlich von allen Herstellern seit dem Erscheinen des Vorbilds in den Fünfzigern des vorigen Jahrhunderts hergestellt wurde. Märklin, Fleischmann, Trix haben sie schon in Neuauflagen in den Katalogen gehabt, immer wieder modifiziert bei den Antrieben, von Lackierungsvarianten ganz zu schweigen. Und nun Piko mit einer weiteren Variante? Die Sensation ist an anderer Stelle zu suchen. Diese Lok wird vom Hersteller in Sonneberg zu einem schier unglaublichen Preis von um die 100 Euro angeboten, sowohl für die 3-Leiter-Fahrer als auch für die 2-Leiter-Fahrer. Was erhält der Käufer für sein Geld? Ist das eventuell nur Spielzeug für Kinder ohne Ansprüche an Laufeigenschaften und Ausführung?

Nein! Im typischen Piko-Lokkarton finden wir die V200050, sauber lackiert in den Ursprungsfarben der Deutschen Bundesbahn, ausgerüstet mit Mittelmotor und Schwungmasse, an den Stirnseiten weiss/rote LED-Spitzen und Schlussbeleuchtung. Der Fahrwerksrahmen ist aus Druckguss gespritzt, sauber graviert, darauf von unten geschraubt ein Kunststoffgehäuse. Die unteren Partien der Frontschürze sind seitenbeweglich ausgeführt, ähnlich wie es Trix und Fleischmann vor mehr als 50 Jahren anboten, heute allerdings ohne sichtbare Spalten, die die Lok entstellen würden.

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Mit diesen vorbildgerechten tiefen Schürzen wirkt die V200 auch von vorn sehr gut. Sehr gut auch die Fahreigenschaften und die Ausführung der Stirnbeleuchtung. Sauber getrennt scheint entweder das weisse Licht oder die rote Schlussbeleuchtung; besser als bei den dreimal so teuren Lokomotiven der Konkurrenz aus dem Süden Deutschlands.

Alle vier Achsen werden bei den Modellen angetrieben, zwei Haftreifen diagonal versetzt erhöhen die Zugkraft. Normschächte für die gängigen Kurzkupplungsköpfe sind vorhanden, Kinematik ebenso. Allein der Schleifer der AC Variante war zu justieren, da er ab Werk doch erhebliche Geräusche verursachte. Ein Flüsterschleifer ist nach der Justierung aber nicht mehr unbedingt erforderlich. Optik und Haptik sind über jeden Zweifel erhaben. Die Dachpartie wird der am Vorbild orientierte Modellbahner sicher etwas verschmutzter sehen wollen. Dies selbst zu erledigen dürfte aber kein großer Aufwand sein. Ein paar Zurüst-Teile sind ebenso vom Käufer selbst anzubringen. Man kennt dies von anderen Herstellern.

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Mein Fazit: Mit diesem Modell zeigt Piko, dass es durchaus möglich ist, dem Modellbahner für relativ wenig Geld ein attraktives Modell zu bieten. Wie Piko das schafft, bleibt sicher deren Geheimnis, die Produktion 10.000 Kilometer östlich von uns entfernt spielt sicherlich eine Rolle. Ich bin davon überzeugt, dass die Lok ihre Käufer finden wird. Neben der roten Variante gibt es auch die oceanblau/beige Ausführung. Auf weitere Piko-Modelle in dieser Qualität und Preislage kann man sich nur freuen.

Über den Autor

Martin Meese

Martin Meese ist Jahrgang 1956 und ist seit frühester Jugend von Modellbahn und ihrem großen Vorbild begeistert. Heute ist er vor allem mit Märklin verbunden. Gern berät er in allen Digitalfragen und hilft bei Umbauten. Er gehört einem Stammtisch von 30 bis 35 Enthusiasten an, die sich regelmäßig über die Märklin-Bahnen austauschen. Für uns bloggt er seine persönliche Sicht auf neue Produkte und aktuelle Trends im Bereich der Modelleisenbahn.