Sammlertraum Goldküstenexpress

Dass Modellbahnen gesammelt werden, ist sicher kein Geheimnis. Da denkt jeder zunächst an die Göppinger Marke Märklin. Aber sind auch andere Firmen sammelwürdig und wenn, was ist dann der Traum vom Sammler, der eben nicht nur Märklin begehrt? Gibt es auch anderswo Raritäten, die man(n) haben muss? Ja es gibt sie, mögen die Firmen auch noch so klein sein, nur kleine Märkte bedienen, irgendein Modell ist wohl immer unerreichbar, weil es a) sehr teuer ist oder b) einfach nicht angeboten wird. So auch bei HAG, dem Schweizer Hersteller von Lokomotiven für das Dreileiter AC System. HAG (St. Gallen bzw. Mörschwil) stellte seit Mitte der 40ziger Jahre Modellbahnartikel in erster Linie für den Markt der Eidgenossen her. Zunächst in Spur 0, später dann auch H0.

Die Lokomotiven sind im allgemeinen ganz aus Metall, so wie Märklin auch. Grundsolide und unverwüstlich gebaut. Das Programm war immer überschaubar. Lange Zeit gabe es jährlich nur Farbvarianten, echte Neukonstruktionen kamen selten. HAG hatte die Ae 6/6, die Re 4/4 sowohl von der SBB als auch dann die der BLS. Natürlich durfte ein Roter Pfeil und auch der knuffige Rangiertraktor nicht fehlen. Ebenso gab es eine typischen SBB Triebwagen. Dazu wurden Wagen angeboten, die nach meiner Auffassung nur sehr entfernt die typischen SBB Wagen darstellten.

Es muss zur Zeit des Erscheinens des RABe 12/12 gewesen sein, dass sich die Firma HAG darauf besann auch einen ähnlich langen Triebwagenzug anzubieten, den der Mitbewerber nun im Programm hatte. Das war der 3070/4070. Wahrscheinlich war das Kapital für eine vollkommenden Neuentwicklung nicht vorhanden oder man war vom Erfolg eines Triebwagens nicht so wirklich überzeugt und produzierte ein Modell, dass man aus zwei Formteilen vorhandener Wagen herstellen konnte. Zwei Steuerwagen, ein B Mittelwagen, eine neuer Rahmen für den Antriebswagen- fertig war der Nahverkehrstriebzug für den Zürcher Vorortverkehr. Der RABe 12/12 sollte es sein; beim Vorbild ein moderner Triebzug mit 12 Achsen, von denen alle angetrieben wurden. Dieser Zug war rot lackiert und fuhr von Zürich nach Rapperswil, also am Nordrand des bekannten Zürichsees entlang, genau dort, wo die Sonne scheint und das Geld wohnt. Was lag da näher als den Zug Goldküstenexpress zu nennen.

Ich kann nicht sagen, ob der Zug damals ein Verkaufsschlager wurde, immerhin kostete er schon weit über 100 Franken, ganz ähnlich wie der Märklin RAm 3070. Viel Kritik zu der nur rudimentären Nachbildung gab es prompt von den Modellbahnern. Auch die extrem kurze Produktionszeit macht ihn selten. Bei den HAG Fans besitzt er heute Kultstatus. Man findet ihn nicht auf Börsen, zumindest nicht in Deutschland. So muss man also warten- bisweilen Jahrzehnte. So ging es auch mir. Nun aber traf er ein, nicht aus der Schweiz, sondern aus einem anderen Land. Zustand sehr gut, keine Kratzer, kleinere elektrische Macken, die aber schnell behoben werden konnten. So war eine Birne defekt, ein Kabel lose und Kontakte des Relais nicht in Ordnung.

Zum Modell: Wie schon erwähnt besteht der Zug aus Wagenkästen, die der Hersteller nur mit Applikationen versehen hat, die den typischen Eindruck eines elektrische Triebwagen widerspiegeln; mit dem realen Vorbild hat er ausser der Farbe und der dreiteiligen Ausführung wenig gemein. In einem der Steuerwagen befindet sich der bekannte HAG Triebwagenmotor. Unter jedem Wagen ist ein Schleifer. Die Stromversorgung des Relais erfolgt vom hinteren Schleifer und die des Motor wechselt jeweils nach Fahrtrichtung. Für die serienmäßig verbaute Innenbeleuchtung ist der jeweilige Schleifer unter dem Wagen zuständig. Die Stirnbeleuchtung hat einen Lichtwechsel von 3 auf 1 Licht- weiss/rot. Durch den Zug führen 3 Kabel, die mit Mikrostecker zwischen den Wagen versehen sind. Somit kann man den Zug für eine Wartung auch teilen.

Die analogen Fahreigeschaften sind über alle Zweifel erhaben, eben Qualität aus der Schweiz.

Bei der Beschriftung hat man sich leider wenig Mühe gegeben. Es war damals einfach nicht so wichtig. Die in den Wagenformen vorhandene Gravuren wurden nicht für den Zug geändert, so sind sie an beiden Steuerwagen identisch. Auch der Mittelwagen besitzt dieselbe Wagennummer wie das SBB B Wagen Spendermodell. Die Lackierung selbst ist aber sauber ausgeführt.

Ich bin überzeugt, dass die Suche nach raren Modellen Freude bereitet, egal nach was man sucht. Märklin, Trix, Hag, Pocher, Electrotren – bei allen gibt es seltene und auch begehrte Modelle. Etwas Rares zu besitzen macht auch irgendwie etwas stolz.

Über den Autor

Martin Meese

Martin Meese ist Jahrgang 1956 und ist seit frühester Jugend von Modellbahn und ihrem großen Vorbild begeistert. Heute ist er vor allem mit Märklin verbunden. Gern berät er in allen Digitalfragen und hilft bei Umbauten. Er gehört einem Stammtisch von 30 bis 35 Enthusiasten an, die sich regelmäßig über die Märklin-Bahnen austauschen. Für uns bloggt er seine persönliche Sicht auf neue Produkte und aktuelle Trends im Bereich der Modelleisenbahn.