Sicher flitschen

Bodenausklinkvorrichtung für Hangstart, Elektrosegler und Impeller-Modelle von Flühs Winden

Es gibt einige gute Gründe, um für das Starten von Flugmodellen eine Gummi-Flitsche zur Unterstützung hinzu zu nehmen. Ein Segelflugmodell mit Elektroantrieb ist zu groß, zu schwer oder der Rumpf zu dick, als dass man ihn mit den Händen gut fassen könnte. Ein Segler mit oder ohne Antrieb soll am Hang ohne Höhenverlust gestartet werden, was bei schwachen Bedingungen nicht immer einfach ist. Aber nicht nur die Segler, auch andere Modelle können eine „Starthilfe“ vertragen. Zum Beispiel Elektro-Jets ohne Fahrwerk, die von Anfang an eine hohe Fluggeschwindigkeit benötigen. Auch der Faktor Pilot kann eine Rolle spielen. Mit zunehmendem Alter lässt die Kraft der Muskeln im Arm nach und das Hand-Starten von Modellen wird schwieriger.

Die Firma Flühs, bekannt für ihre Winden, weitet ihr Programm immer weiter aus – auch in Richtung anderer Startarten. So gibt es seit einiger Zeit eine clevere Vorrichtung, die dem Flitschenstart eine neue Dimension gibt. Wer schon einmal geflitscht hat, weiß, wie schwer das Handling ist, wenn man mit dem Modell am voll gespannten Gummi hantieren muss. Deshalb ist die Flühs-Bodenausklinkvorrichtung so konstruiert, dass man als Pilot alle Hände frei und sie während des Startvorgangs an den Senderknüppeln hat.

Wir haben die Vorrichtung mit verschiedenen Modellen erprobt. Das Fazit lautet: Die Vorrichtung macht, was sie tun soll. Und das zur vollsten Zufriedenheit. Das Ausklinken funktionierte immer tadellos. Man kann sich absolut sicher darauf verlassen. Ich habe lediglich darauf verzichtet, die gesamte Vorrichtung dann mitzunehmen, wenn ein längerer Aufstieg zum Startplatz am Hang zu bewältigen war. In diesem Falle reicht mir aus Gewichtsgründen der Gummischlauch mit der kurzen Seilverlängerung.

Der Zug mit dem Fuß ist nur eine ganz kurze Bewegung, so dass auch keine Gefahr besteht, das Gleichgewicht zu verlieren. Es ist schon ein angenehmes Gefühl, wenn man das gespannte Flitschenseil nicht mit Körperkraft halten muss. Man hat Zeit, sich in Ruhe auf den eigentlichen Start vorzubereiten. Und wenn es dann soweit ist, sind beide Hände da wo sie hingehören: an den Steuerknüppeln.

Alle Teile sind sehr robust und stabil gefertigt. Diese Qualität garantiert sicher eine lange Haltbarkeit, auch im harten Vereinsbetrieb.

Aufbau

Der Gummischlauch wird am entfernten Ende mit dem Hering im Boden befestigt. Dieser Hering ist sehr stabil und breit. Als Besonderheit weist er einen Dorn auf, über den der Ring des Gummischlauches geschoben wird. Mit einem Splint kann nun verhindert werden, dass der Ring nach oben heraus rutscht. Den Spind kann man auch weglassen, vorausgesetzt, der Hering ist schräg genug im Boden eingeschlagen. In diesem Falle hat man eine zusätzliche Sicherheit, falls das Seil am Modell nicht ausklinkt. Der Ring des Gummischlauches wird vom fliegenden Modell aus dem Hering herausgezogen. Die Chance auf eine glimpfliche Landung ist deutlich höher.
Kernstück ist ein Winkelprofil, welches über zwei mitgelieferte Erdnägel fest im Boden verankert wird. Das Gummiseil wird gespannt in einem Haken, welcher mit dem Winkelprofil fest verbunden ist, eingehängt. An diesem Haken ist ein relativ dickes und langes Seil befestigt. Am Ende dieses Teiles befindet sich eine Schlaufe, in die man den Fuß hinein steckt. Zieht man nun mit dem Fuß am Seil, so öffnet sich der Haken am Winkelprofil und gibt den Gummi frei.
Am Gummi befestigt man das V-Seil, das mit etwa 5 m Länge zum Modell und mit dem kurzen Schenkel zur Ausklinkvorrichtung. Das Modell wird so platziert, dass der Rumpf ein paar Dezimeter neben dem Winkelprofil vorbei rutschen kann. Dieser leichte Knick in der Auslegerichtung der Gummi-Seil-Kombination hat sich beim Starten nie bemerkbar gemacht. Für den Start eines Segelflugmodells empfiehlt es sich, den Flügel so zu unterstützen, dass beide Flügelenden nicht auf dem Boden aufliegt. Auch dazu hat Flühs eine gut geeignete Vorrichtung.

Je nach Modell wählt man den Gummischlauch in der passenden Dimension. Gummischläuche in unterschiedlichen Stärken hat die Firma Flühs ebenfalls – fertig konfektioniert – im Programm. Gerne berät man bei Flühs zur Wahl der richtigen Größe des Gummischlauchs.

Über den Autor

Frank Schwartz

Frank Schwartz aus Baden-Baden ist Autor bei der Fachzeitschrift „FMT – Flugmodell und Technik“. Als Redakteur erstellt er das jährlich erscheinende Special „FMT-Extra RC-Hangflug“. Er ist Redaktionsmitglied der österreichischen Modellflug-Zeitschrift „prop“. In der „Erlebniswelt-Segelfliegen.de“ veranstaltet Frank Schwartz Reisen und Trainings im ferngesteuerten Segelflug, die ihn und sein Teilnehmer in spannende Hangflug-Gebiete führen.

Zuvor war er fast drei Jahrzehnte als Redaktions- und Verlagsleiter im „VTH – Verlag für Technik und Handwerk“ (u.a. FMT) tätig und danach drei Jahre Leiter Marketing der Firma robbe Modellsport. In über zehn sehr intensiven Jahren im Wettbewerbsfliegen (Segler, F5B, „10-Zeller“ und F5D Pylon) waren zwei WM-Teilnahmen in der Klasse F5B die Highlights. In dieser Zeit konstruierte und baute er das eigene Voll-GFK Modell „Horus“. Ein Jahrzehnt Gleitschirmfliegen haben seine Sicht auf Thermik und Hangaufwind weiter geschärft.

Seine große Leidenschaft war und ist aber der antriebslose RC Segelflug. Mit seiner erfolgreichen Teilnahme im Online-Contest (OLC) hat ihn die sportliche Variante des Segelfliegens wieder eingeholt.